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Cesare Borgia
Cesare Borgia (1475-1507), auch Herzog von Valentino, bzw. "il Valentino" genannt, war ein italienischer Renaissancefürst, Feldherr, Kardinal und Erz­bischof, der auch deshalb berühmt wurde, weil ihn Nicolò Machiavelli als Vor­bild für sein Buch "Der Fürst" (italienisch "Il Principe") nahm. Cesare Borgia war der uneheliche Sohn von Rodrigo Borgia, dem späteren Papst Alexan­der VI., und Bruder von Lucrezia Borgia [].
Im Jahr 1492, kurz nachdem sein Vater zum Papst gewählt worden war, wur­de Cesare Borgia – gerade erst 18 Jahre alt – zum Erzbischof von Valencia und das Jahr darauf zum Kardinal ernannt. Wegen seines ausschweifenden Lebenswandels und seines Jähzorns geriet er bald in Verruf; 1497 wurde er sogar der Mittäterschaft an der Ermordung seines Bruders Juan, des Herzogs von Benevent und Gandia, beschuldigt. Weil er sich jedoch weniger zum Kir­chenmann als zum Heerführer berufen fühlte, verzichtete er im August 1498 zugunsten einer politischen Laufbahn auf seine geistlichen Ämter, und einige Monate später begab er sich im Auftrag seines Vaters, des Papstes, nach Frankreich, um dort dem neuen König Ludwig XII. die Nachricht zu über­brin­gen, dass seine erste Ehe aufgelöst sei. Als Belohnung für diese gute Nach­richt und um sich das päpstliche Wohlwollen für die eigene Italienpolitik zu sichern, überließ Ludwig Cesare Borgia das zum Herzogtum erhobene Valen­tinois. Daher kam auch sein Name "il Valentino"! 1499 heiratete Cesare Bor­gia auch noch Charlotte d'Albray, die Schwester des Königs Johann von Navarra und Nichte Ludwigs XII.
Im selben Jahr begann er an der Spitze französischer und päpstlicher Trup­pen einen Feldzug nach Italien, eroberte verlorenen Gebiete des Kirchen­staa­tes zurück und erklärte sich 1501 zum Herzog der Romagna. Cesare Borgia strebte nun die Errichtung eines geeinten Königreiches in Mittelitalien an, und auf seinen weiteren Eroberungszügen besetzte er Rimini, Pesaro, das Fürs­ten­tum Piombino in Mittelitalien und Elba, Teile der Marken und Umbriens und nahm den Titel eines Herzogs von Urbino an; er scheiterte lediglich an Bo­lo­gna und Florenz.
Während seiner Herrschaft gelang es ihm im Jahre 1502, den von Geldnöten geplagten Leonardo da Vinci für drei Jahre als Militäringenieur seines Heeres zu engagieren.
Obwohl Cesare Borgia sowohl als Staatsmann als auch als General sehr fähig war, gelang es ihm trotz seiner Intelligenz, Tat- und Entschlusskraft nicht, nach dem Tod seines Vaters am 18. August 1503 die Macht aufrecht­zu­er­hal­ten. Pius III., der 1503 Nachfolger von Alexander VI. wurde, starb kurz da­rauf. Am 31. Oktober entschied sich das Kardinalskollegium für den Borgia-Gegner Giuliano della Rovere. Als Papst Julius II. sollte er die Kirche bis zu seinem Tod 1513 führen. Es gelang Julius II., Cesare Borgia, der mit franzö­si­scher Unterstützung ein geschlossenes Territorium in der Romagna und in Mittelitalien erobert hatte, zu entmachten und den Kirchenstaat durch die Einnahme dieses Gebietes zu stärken.
Daraufhin kam es zum Bruch zwischen dem Papst und dem französischen König Ludwig XII., der Mailand und andere norditalienische Städte erobert und sich so eine Machtposition verschafft hatte. Julius II. gründete, zusam­men mit Venedig und Spanien die Heilige Liga, die das gemeinsame Ziel hatte, Frankreich aus Italien zu verdrängen.

Daraufhin floh Cesare Borgia am 19. April 1504 nach Neapel und bat den spanischen Feldhauptmann Gonzalo de Córdoba um Hilfe. Doch statt ihm beizustehen, ließ König Ferdinand von Spanien ihn verhaften und nach Spa­nien verbannen. Nach zwei Jahren Gefangenschaft gelang es Cesare Borgia im November 1506, ausbrechen und zu seinem Schwager Johann, dem König von Navarra, zu fliehen.

Er verbündete sich mit seinem Schwager, König Jean d'Albret von Navarra. Als Soldat im Dienste Navarras geriet er 1507 ährend der Belagerung von Viana in einen von ihm erkannten, jedoch ignorierten Hinterhalt und wurde erschlagen. Als sich der Graf von Lera gegen seinen Lehnsherrn König Johann erhob, führte Cesare Borgia 1507 eine Streitmacht im Dienste Navarras ge­gen dessen Festung Viana. Während der Belagerung der Stadt geriet der Einunddreißigjährige in einen Hinterhalt, bei dem er tödlich getroffen wurde.

In seinem Traktat "Il principe" thematisierte Nicolò Machiavelli die Allein­herr­schaft und beschrieb, wie ein Fürst vorgehen muss, wenn er Gebiete erobern und diese langfristig sichern will. Machiavellis emotionslose Beschreibungen von Cesares Taten brachten diesem den Ruf ausserordentlicher Kaltherzigkeit und Skrupellosigkeit ein.

Borgias Ruf und Ansehen werden in der heutigen Geschichtsforschung diffe­ren­ziert betrachtet. Historische Dokumente legen nahe, dass sein schlechter Ruf teilweise auf Übertreibungen seiner Feinde beruht. Anhaltspunkte dafür finden sich in dem allgemein schlechten Ansehen, das die Borgias aufgrund ihrer spanischen Herkunft in den Augen der alteingesessenen italienischen Familien hatten. Man verzieh den Borgias nicht, dass sie sich in Ämter und Hierarchien einkauften und systematisch ihre eigenen Verwandten in wichtige Stellungen brachten. Die gegen Cesare vorgebrachten Anschuldigungen der Günstlingswirtschaft, der sexuellen Ausschweifung und der Grausamkeit wa­ren in der Renaissance typische Begleitformen aller Formen feudaler Herr­schaft und nicht auf die Familie Borgia beschränkt. Jedoch sind sich die Histo­riker einig, dass Borgia tatsächlich Positives bewirkt hatte. Cesare Borgia galt als grausam; nichtsdestoweniger gelang es ihm, durch seine Grausamkeit die Romagna, die bis dahin in völliger Anarchie lebte, zu ordnen und zu einen, sowie dort Frieden und Ergebenheit wiederherzustellen. Das Wirken des "Valentino" brachte Recht und Ordnung in die Romagna.

 
Cesare Borgia

Als Machiavelli 1513 seinen Traktat "Il principe" über den idealen Fürsten schrieb, war sein Vorbild der von ihm bewunderte Cesare Borgia. Machia­vel­li war fasziniert von dessen Ver­schla­genheit und Durch­setzungs­ver­mögen zum Erreichen seiner Ziele.


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