Geschichte |    Essen/ | Regionale Küche | Film/Medien | Literatur/Presse | Sprache | Nützliches
Landschaften |   Trinken | Persönlichkeiten | Kunst/Architektur | Wissenswertes | Musik |  H O M E
 

Die Landung auf Sizilien und die Rückkehr der Mafia

Auf der Konferenz in Casablanca im Januar 1943 einigten sich der bri­tische Premier Winston Churchill und der amerikanische Präsident Franklin D. Roosevelt auf die Eröffnung einer zweiten Front in Europa. Die sowjetische Führung drängte darauf, die neue Front zur Entlastung der Roten Armee im Osten in Frankreich zu eröffnen, die Westmächte gingen aber davon aus, dass eine Invasion von Frankreich noch im selben Jahr unmöglich sei. So be­schlos­sen sie die Landung in dem von Churchill als "weichen Unterleib" der Achse Berlin-Rom bezeichneten Süditalien. Der alliierte Sieg über deutsch-ita­lie­ni­sche Verbände im Afrikafeldzug und die nahezu uneingeschränkte Herrschaft im Mittelmeerraum schufen für Briten und Amerikaner im Mai 1943 optimale Voraussetzungen für das Landeunternehmen.
Das oberste strategische Ziel war die Vernichtung der Basen der Achsen­mäch­te auf Sizilien, das hauptsächlich feindlichen Schiffen und Flugzeugen als Stützpunkt diente, sowie die Freimachung des Mittelmeeres für alliierte Schif­fe. Zusätzlich sollte der Druck auf das durch die Niederlage in Nordafrika de­moralisierte Italien steigen, um es eventuell zum Kriegsaustritt zu bewegen.
Kommandeur der Invasion war General Dwight Eisenhower. Der General Sir Harold Alexander leitete die Landstreitkräfte, die aus der 8. Britischen Armee unter General Bernard Montgomery und der 7. US-Armee unter General George S. Patton bestanden.

Die Verteidigung der Achsenmächte, unter dem Kommando des italienischen Generals Alfredo Guzzoni, bestand aus 365.000 italienischen und 40.000 deutschen Soldaten, mit zusätzlich 47 Panzern und in etwa 200 Artillerie­ein­heiten.

Die Landung in Gela, Sizilien
Die in Nordafrika eingeschiffte britische 8. Armee und amerikanische 7. Ar­mee landeten am 10. Juli 1943 auf Sizilien entlang eines Küstenstreifens, der sich von Syrakus im Osten bis Licata im Westen erstreckte. Die Achsen­mäch­te waren von dem von General Dwight D. Eisenhower geführten Angriff über­rascht. Durch gefälschte Informationen waren sie in den Glauben versetzt worden, die alliierte Landung würde auf Sardinien oder Spanien bevorstehen.
Der Vorstoß der Alliierten ins Landesinnere Siziliens konnte trotz heftigen Wi­derstands der Achsenmächte nicht aufgehalten werden: Ohne Luftunter­stüt­zung war die bis zum 17. August 1943 vollständig abgeschlossene Besetzung Siziliens durch die Alliierten nicht zu verhindern.

Im kriegsmüden Italien lösten die Landung auf Sizilien sowie die ersten alli­iert­en Luftangriffe auf Rom Mitte Juli 1943 Bestürzung aus, die sich alsbald in eine revolutionäre Stimmung wandelte. Am 24. Juli kündigte der Große Fa­schistische Rat Benito Mussolini die Gefolgschaft. Einen Tag später ließ König Viktor Emanuel III. den "Duce" verhaften. Offiziell erklärten der König und der neue Ministerpräsident Pietro Badoglio (1871-1956) zwar, sie wollten den Kampf loyal an der Seite des Verbündeten Deutschland fortsetzen. Geheimverhandlungen führten am 3. September 1943 jedoch zu einem Waf­fenstillstand zwischen Italien und den Alliierten.

Die Mafia-Connection
Weniger bekannt ist, dass das die Mafia in Sizilien, die von Benito Mussolini beinahe zerschlagen worden war, im Zweiten Weltkrieg mit Hilfe der USA wieder aufgebaut wurde.
Während des Zweiten Weltkriegs benötigte Amerika neue Verbündete, um die Invasion auf Sizilien voranzubringen. Zu diesem Zweck nahm die US-Regie­rung Kontakt zum inhaftierten Mafioso "Lucky" Luciano auf. Luciano war die perfekte Wahl: Er saß zwar im Gefängnis, hatte aber trotzdem sehr gute Ver­bindungen zur italienischen Mafia, die in Italien unter dem Faschismus streng verfolgt wurde. Dazu kontrollierten Frank Costellos Leute die Hafen­ar­bei­ter­gewerkschaft die den New Yorker Hafen vor deutschen Saboteuren schützte. Als Patriot sowohl der USA als auch Siziliens war er sehr hilfreich und wurde gebührend belohnt. 1946 wurde Luciano freigelassen unter der Bedingung, die Vereinigten Staaten zu verlassen und nach Italien zurückzukehren.

Mit seiner Hilfe und seinen Kontakten wurde die Landung der Alliierten auf Sizilien vorbereitet. Maßgebliche Hilfe bei der Invasion Sizilies leisteten der sizilianische Pate Calogero Vizzini (besser bekannt als Don Calò) und die Nummer Zwei der Insel, Giuseppe Genco Russo, die von der US-Army als Dank als Bürgermeister eingesetzt wurden. Russos Männer trieben bei­spiels­weise alle Küstenverteidigungspläne der italienischen Armee auf und er­reich­ten, dass zwei Drittel der dort sta­tio­nierten Soldaten während der Invasion desertierten.

Vito Genovese, ungeliebter Unterboss von Luciano, entzog sich einer Mord­an­klage in den USA und arbeitete als Dolmetscher der Army in Neapel, wo er einen blühenden Schwarzmarkthandel aufzog. 1944 wurde er jedoch in die USA zurückgeschickt.
Charles Poletti, einflussreiches Mitglied der Mazzini-Gesellschaft, wurde ame­ri­kanischer Militärgouverneur des Allied Military Government in Palermo. Luciano bezeichnete den ehemaligen Gouverneur von New York als guten Freund. Calogero Vizzini wurde zum Bürgermeister von Villalba ernannt, und 95% der eingesetzten Bürgermeister waren Mafiosi oder Vertrauensleute der Mafia. Bereits nach zwei Monaten hatte sich die Macht der Mafia etabliert.
Nach dem Zusammenbruch des Faschismus entstand auf der Insel eine starke kommunistische Bewegung, hauptsächlich unter den Bauern. Die USA be­schlos­sen daher, die Kommunisten mit Hilfe der Mafia zu bekämpfen, unter­stützt von der Kirche und den Grossgrundbesitzern. Im September 1944 kam es zu einer ersten Mordwelle, und am 1. Mai 1947 erreichte der Terror seinen Höhepunkt, als ein Massaker bei einer Feier in Portella stattfand. Von 1944 bis 1949 wurden über 500 sozialistische oder kommunistische Aktivisten um­ge­bracht.
 

Lucky Luciano

Lucky Luciano wurde am 11. 11. 1896 als Salvatore Lucania im Dorf Lercara Friddi, etwa 25 km östlich von Corleone auf Sizilien, geboren. Als er zehn Jahre alt war, zog seine Familie in die USA. Schon in jungen Jahren verdiente er sein Geld, indem er von anderen Kindern im Mafia-Stil Schutzgeld verlangte.
Anfang der 30er Jahre übernahm er nach Ausschaltung der alten Mafia­bosse von New York aus die Führung der organisierten Kriminalität. Er war bekannt wegen seines extravaganten Lebensstils. 1936 wurde er verhaftet und zu 30–50 Jahren Zuchthaus ver­ur­teilt,. Dank seiner Unterstützung der amerikanischen Geheimdienste bei der Vorbereitung der alliierten Landung in Sizilien (1943) wurde er 1946 nach Italien deportiert und hielt sich 1946–47 in Kuba auf.


Nachtwache
Nachtwache. Tagebuch
aus dem Kriege / Sizilien 1943

von Hanns Cibulka

(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)

Zwischen Reggio und Cassino
Zwischen Reggio und Cassino:
Das Kriegsgeschehen in Italien
im zweiten Halbjahr 1943

von Karl-Heinz Golla
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)

Slaughter over Sicily
Slaughter Over Sicily
von Charles Whiting

(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)