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Die Ermordung Giacomo Matteottis

Giacomo Matteotti (1885-1924) war ein italienischer Politiker und Gene­ral­sekretär der Partito Socialista Unitario (PSU). Seine Ermordung durch die ita­lie­ni­schen Faschisten im Jahr 1924 gilt als der Beginn der Diktatur Mussolinis.
In einer wohlhabenden Familie von Landbesitzern geboren, besuchte Matteotti das Gymnasium von Rovigo, wo er als Klassenkamerad seinen zukünftigen politischen Gegner Umberto Merlin hatte.
1907 absolvierte er das Jura-Studium an der Universität Bologna und kam in Kontakt mit der sozialistischen Bewegung, in der er in kurzer Zeit eine pro­mi­nente Persönlichkeit wurde.
Während des Ersten Weltkriegs war er ein überzeugter Verfechter der ita­lie­ni­schen Neutralität und diese Stellungsnahme kostete ihm die Gefangenschaft in einem Internierungslager.
1919 wurde Matteotti als Abgeordneter für die Region Ferrara in die Camera dei Deputati (einer der zwei parlamentarischen Kammern) gewählt. 1921 wur­de er wiedergewählt und veröffentlichte eine berühmte "Inchiesta socialista sulle gesta dei fascisti in Italia" (Sozialistische Untersuchung der Taten der Faschisten in Italien), in der zum ersten Mal die Gewalttaten der squadristi angeprangert wurden.
Innerhalb der Sozialistischen Partei (Partito Socialista Italiano) war er um­strit­ten, weil er Missstände wie Protek­tio­nismus und Arroganz der Funktionäre kri­tisierte und weil sich für einen reformisti­schen statt für einen revolutionären Kurs einsetzte. Da er aber ein begabter Agitator war und häufig vor Arbeitern sprach, baute er sich eine tragfähige Anhängerschaft auf. Im Oktoberl 1922 wurde er dennoch, zusammen mit der reformistischen Strömung von Filippo Turati, aus der Partei ausgeschlossen. Matteotti wurde also der General­se­kre­tär des neuen Partito Socialista Unitario. 1924 wurde er wiedergewählt. Beunruhigt durch die zunehmenden Aktivitäten der Faschisten hielt er am 30. Mai 1924 eine flammende Rede, um vor der drohenden Gefahr für die Ita­lie­ni­sche Demokratie zu warnen. Bei einer anderen Gelegenheit sprach er den profetischen Satz aus: "Ihr könnt mich töten, aber nicht die Idee, die in mir ist.".
Die Rede des 30. Mai - so berichtete der Historiker Giorgio Candeloro - "ver­mit­tel­te Mussolini und den Faschisten den Eindruck, dass sie es mit einer weit kämpferischen Opposition zu tun hatten, als jene des vorhergehenden Par­la­ments." Am 10. Juni 1924 wurde Giacomo Matteotti daraufhin von sechs squadristi in Rom entführt und er­mordet. Seine Leiche wurde am 16. August in fortegeschrittenem Verwesungszustand in der macchia della Quartarella, einem Wald in der Gemeinde Riano, 25 km von Rom entfernt.
Die Ermordung Matteottis führte zu einem deutlichen Stimmungs­wandel in großen Teilen der Bevölkerung. Die Mehrheit zweifelte nicht daran, dass hin­ter dem Mord die Faschisten steckten. Mussolinis durchaus vor­han­de­ne Popu­larität erlitt einen Einbruch. Seine politischen Gegner reagierten mit dem Aus­zug ihrer Abgeordneten aus dem Parlament.
Erst sechs Monate nach dem Tod Matteottis, am 3. Januar 1925, gelang es Mussolini mit einer Rede vor dem Abge­ord­netenhaus die Initiative zurück­zu­gewinnen. Er wies jede Schuld von sich, übernahm aber die volle "moralische, politische und historische Verantwortung" für den Mord. Er forderte seine Geg­ner dazu auf, ihn für das Verbrechen anzuklagen, was diese jedoch wegen der Aussichtslosigkeit eines solchen Unterfangens nicht taten.
Der Mord an Matteotti war ein Wendepunkt in der Politik Mussolinis. Hatte er vorher noch in einem gewissen Maß mit den parlamentarischen Institutionen zusammengearbeitet, setzte er danach auf eine konsequente Unterdrückung der Opposition, auf die Einschränkung der Pressefreiheit und den Aufbau einer Geheimpolizei.
Von den sechs mutmaßlichen Mördern wurden drei im März 1926 zu je fünf Jahren Gefängnis verurteilt, aber bereits nach zwei Monaten von König Vitto­rio Emanuel III. begnadigt. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurde 1947 das Ver­fah­ren wieder aufgerollt und die noch lebenden drei Mörder zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt.
1973 wurde der Mord an Giacomo Matteotti mit Franco Nero als Matteotti und Mario Adorf als Mussolini unter dem Titel "Il delitto Matteotti" verfilmt.
 
Giacomo Matteotti
Mussolini
Es gibt kaum eine italienische Stadt, die keinen "Matteotti-Platz" hat. Eine "Piazza Matteotti" gibt es überall, auch in meiner zweiten Heimatstadt Ge­nua. Dort liegt sie direkt gegen­über dem Palazzo Ducale, dem be­deu­tend­sten historischen Gebäude der Stadt. Man kann - in anderen Worten - dieser Figur mit ihrer gro­ßen Symbol­kraft kaum entkommen.

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