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Der Raub der Sabinerinnen

Der Sage nach wurde Rom im Jahr 753 v. Chr. von den Zwillingsbrüdern Ro­mulus und Remus, Söhne des Kriegsgottes Mars und der Vestalin Rhea Sil­via, die aus der Stadt Alba Longa gestammt haben sollen, gegründet. Die his­to­rische Wahrheit ist freilich eine andere: Etwa zwischen dem Ende des 7. und der Mitte des 6. Jahrhunderts v. Chr. besetzten die Etrusker die dörf­li­chen An­siedlungen auf dem Gebiet der heutigen Stadt und gaben dem neuge­grün­de­ten städtischen Anwesen nach dem etruskischen Geschlecht der Rumelna den Namen Roma.

Nach der Legende gerieten Romulus und Remus in Streit, als sie mit Hilfe ei­nes Orakels bestimmen wollten, wer der Namensgeber der Stadt sein soll­te. Während dieses Streits erschlug Romulus seinen Bruder.

Die Sabiner waren ein von den Umbrern abstammendes indogermanisches Volk in den Sabiner Bergen des Apennins. Sie waren unmittelbare Nachbarn der Römer und erhielten 268 v. Chr. das römische Bürgerrecht, nachdem sie 290 v. Chr. endgültig unter deren Herrschaft gefallen waren. Dies ist die historische Wahrheit.
Nach der alten römischen Legende waren die Sabiner die ursprünglichen Be­wohner des Quirinals (eines der sieben Hügel Roms) und wurden bereits ca. 750 v. Chr. (also kurz nach der Gründung Roms), zunächst unter einem Dop­pelkönigtum ihres Königs Titus Tatius und des römischen Königs Romulus mit dem populus Romanus (römischen Volk) vereinigt.
Wie es dazu kam, vermittelt die besagte, von Titus Livius überlieferte Le­gen­de vom "Raub der Sabinerinnen". In die neu­ge­grün­de­te, stetig wachsenden Stadt Rom kamen viele Ver­trie­be­ne, Hei­matlose und Verbannte (Gesetzlose) aus den Nach­barstädten. Es man­gel­te jedoch an Frauen.
Aus dieser Sorge um die Zukunft schickte Romulus Gesandte zu den Nach­barvölkern, mit der Bitte um Bündnis und Eheschließungen zwischen ihnen. Voller Verachtung blickten die Nachbarn aber auf die neu gegründete Stadt, deren Einwohner, so meinten sie, sich aus Verbrechern und Ausgestoßenen zusammensetzten. Aber gleichzeitig blickten sie nicht ohne Furcht auf das aufblühende Rom. So geschah es, dass, wohin die Gesandten Roms auch gingen, sie unverrichteter Dinge wieder zurück­ge­schickt wurden.
Um dieses Problem zu lösen, griff Romulus auf eine List zurück und lud die Be­woh­ner der benachbarten Städte zu einem großen Kampfspiel ein. Gastfreundlich wurden sie von den Römern aufgenommen und herumgeführt. Besonders die Sabiner waren in großer Zahl mit ihren Familien gekommen. Dann begannen die Spiele und alles drängte sich um den Kampfplatz. Mitten im Spiel stürzten sich die römischen Krieger auf die kaum bewaffneten Gäste und sprengten sie auseinander. Dabei ergriffen sie alle unverheirateten jun­gen Frauen, derer sie habhaft werden konnten. Dies geschah alles so schnell und überraschend, dass niemand Widerstand leisten konnte.
Der Raub der Sabinerinnen in einem Gemälde von Jacques-Louis David.
Die Frauen, von denen die meisten Sabinerinnen waren, ließen sich eine nach der anderen zur Heirat bewegen. Respektvoll wurden sie in den römischen Familien aufgenommen und behandelt. Der König versicherte ihnen, dass sie ordnungsgemäß verheiratet würden und in den Genuss aller Güter und Rech­te kommen sollten.
Aber schon bald rüsteten die Sabiner gegen Rom. Sie rückten mit einem starken Heer vor und es gelang Titus Tatius, dem König der Sabiner, durch den Verrat der jungen Römerin Tarpeia die Burg auf dem Kapitolischen Berg einzunehmen. Schließlich standen sich die beiden Heere in erbittertem Kamp­fe gegenüber. Plötzlich jedoch hielten die Kämpfenden inne, denn die ge­raub­ten Sabinerinnen hatten sich mutig zwischen die Gegnern auf das Schlacht­feld gestürzt, um dem Morden ein Ende zu bringen.

Es gelang ihnen, einen Friedenschluss zu erzwingen. Romulus und Titus Ta­tius reichten einander die Hand und regierten von da an fünf Jahre gemeinsam. Der Sa­bi­ner­könig sollte jedoch schon bald den Tod finden, denn bei einer Opferfeier in Lavinium wurde er ermordet.

In Zusammenhang mit dem Führer der Sabiner gibt es einen berühmten Zungenbrecher, der keinem italienischen Gymnasialschüler erspart bleibt: "Tite tute Tati tibi tanta tyranne tulisti" (O Titus Tatius, du Tyrann, so Großes hast du dir (selbst) zugezogen).
 
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