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„Das Gewitter" (Giorgione)

Giorgione ist der unangefochtene Vater der modernen venezianischen Male­rei des 16. Jahrhunderts; er gilt als Lehrer Tizians und anderer, doch über sein Leben ist sehr wenig bekannt und sein Oeuvre ist ver­schwin­dend klein. Weil Giorgione seine Werke niemals signiert hat, werden ihm von den Kunst­his­to­rikern nur acht Gemälde einmütig zugeordnet.
Giorgiones Gemälde „Das Gewitter“ (italienisch La tempesta) entstand zwi­schen 1507 und 1508 und befindet sich in der Accademia in Venedig. Dieses Bild wurde als das erste Landschaftsbild der abendländischen Kunst be­zei­ch­net, auch wenn die Bedeutung der im Bild gezeigten Szene nicht sehr klar ist.
Ein Mann, eine stillende Frau, ein Hintergrund von bedrohlich dunklen Gewit­terwolken, eine Landschaft: die Quintessenz dieses Gemäldes. Hinter dem dichten Wolkenschleier schimmert der Mond hervor. Ein hel­ler Blitz durch­bricht die Wolkenwand und beleuchtet die Mauern einer Stadt mit Türmen und einer Kuppel. Davor liegt eine arkadische, von einem kleinen Fluss durch­zo­gene Landschaft mit hohen Bäumen im Vordergrund. Ganz vorne steht ein junger Mann in zeitgenössischer modischer Kleidung mit einem Hir­ten­stab in der Hand, ihm gegenüber sitzt eine nackte Frau, die gerade ein kleines Kind stillt. Untereinander haben die beiden keinen Blickkontakt, die Frau schaut aber nach vorne, als würde sie den Betrachter ansehen.
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La tempesta (Der Sturm)
Die Landschaft ist hier nicht mehr nur Hintergrund. Sie bestimmt die Atmo­sphä­re und die Ausstrahlung des Bildes und spielt, trotz der in den Vorder­grund gestellten Menschen, die Hauptrolle. Es dominieren tiefe Farbtöne von leuchtendem Blau und Grün, mit denen Giorgione eine fast magische Bild­wir­kung von Ruhe, Stille und Harmonie erzeugt, die auch von dem fernen Ge­witter am Horizont nicht gestört wird.

Das Bild gilt als ein malerisches Rätsel, als eines der ungelösten Rätsel der europäischen Kunstgeschichte. Es ist auf unterschiedliche Weise interpretiert worden, hat aber bisher keine gültige und in allen Aspekten befriedigende Deutung erfahren. Möglicherweise hatte der Maler auch niemals die Absicht, eine in sich geschlossene eindeutige Bildgeschichte zu erzählen.

Die Rätselhaftigkeit des Bildes dürfte eine Ursache der ungebrochenen Fas­zi­nation sein, die es seit Jahrhunderten immer wieder neu auf den Betrachter ausübt. Warum stillt die Mutter fast nackt an einem Bach ihr Kind - während eines Gewitters? Und blickt uns dabei seelenruhig an?
Edgar Wind behauptete, dass „Der Sturm“ eine große Collage sei, bei der der junge Mann einen Soldaten darstelle und die Frau die Barmherzigkeit sym­bo­lisiere; Gustav Friedrich Hartlaub stellte hingegen die Hypothese auf, dass das Bild die „vier Elemente" darstelle: Erde, Wasser, Feuer, Luft.
Salvatore Settis listet in seinem Buch eine Auswahl von Deutungen auf. Dem­nach zeigt das Bild eine Version der Ruhe auf der Flucht nach Ägypten, eine Szene aus Ovid, aus Boccaccio, aus Petrarca oder aus dem Traum des Poly­phylos, Die Legende von Heiligen Theodor, die Auffindung des Moses, Adam und Eva, die Geburt des Bacchus, eine der Liebschaften von Zeus usw.
La Tempesta“ ist nicht nur von Giorgione, es ist Giorgione schlechthin. Es ist die bildliche Darstellung seines Enigmas, jener Unerklärlichkeit, die alle seine Werke so sehr charakterisiert. Giorgione verstand es, seinen Gemälden eine geheimnisvolle Aura zu verleihen, ein subtiles erotisches Begehren zu erwe­ck­en und dieses in Schwebe zu halten. Giorgiones Malerei ist Kunst für Ge­nie­ßer, so wie Giorgione selbst es verstanden hat, sein (kurzes) Leben zu genießen.
 

Giorgio Barbarelli

Giorgione (1478 -1510), eigentlich Giorgio Barbarelli da Castelfranco hieß, war ein italienischer Maler, ein bahnbrechender Künstler des Hohen Renaissance in Venedig.

Giorgione ist bekannt für die poe­ti­sche Qualität seiner Arbeit, auch wenn nur wenige seiner Bilder über­lebt haben, was eine Unsicherheit über die Identität und die Bedeutung seiner Kunst zur Folge hatte.

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