Geschichte |    Essen/ | Regionale Küche | Film/Medien | Literatur/Presse | Sprache | Nützliches
Landschaften |   Trinken | Persönlichkeiten | Kunst/Architektur | Wissenswertes | Musik |  H O M E
 
Fürstentum Seborga
 
FeWo-direkt
In den Bergen oberhalb von San Remo liegt das fast tausend Jahre alte Fürstentum Seborga. Wie einst ein kleines gallisches Dorf im Nord­wes­ten der Bretagne den Römern Widerstand leistete, so besteht das kleine Dorf Se­bor­ga in Ligurien auf seine Unabhängigkeit von Rom und der Republik Ita­lien. Die Gemeinde hat eine eigene Währung, einen eigenen Pass und eine eigene Hymne und wählt einen Prinzen auf Zeit.
Seborga
Der Grenzposten (Foto von Andrea Marchisio / Lizenz)
Seit Anfang der 1960er Jahre erhebt eine Gruppe von Bürgern des Or­tes, geführt von Giorgio Carbone, dem Geschäftsführer der lokalen Blumen­händ­ler­ge­mein­schaft, wegen eines ver­meintlichen Status als Fürstentum (Prin­ci­pa­to), das Seborga im Mittelalter gehabt haben soll, den Anspruch auf die Unab­hängigkeit ihrer Gemeinde von Italien. Sie begründen dies mittels historischer Dokumente, nach denen Se­bor­ga weder beim Wiener Kongress dem König­reich Sardinien unterstellt wur­de, noch 1861 bei der Vereinigung Italien dabei war, noch bei Gründung der Italienischen Re­pu­blik im Jahr 1946 der italie­ni­schen Staatsmacht unter­stellt wurde. Deshalb sei Seborga völker­recht­lich nicht Teil des italienischen Staa­tes. 1963 waren die Bewohner des kleinen „borgo“ so sehr von dieser Argumentation überzeugt, dass sie Carbone als ihren Staatsoberhaupt wählten. Er nahm den Titel Giorgio I., Fürst von Seborga an.
Seborga [ mit Unteriteln]
Auf den Pfeil in der Mitte klicken. Zum Vergrößern auf klicken
Carbones Status as "Fürst" wurde am 23. April 1995 bestätigt, als die Ein­woh­ner Seborgas in einem Referendum mit großer Mehrheit für die Ausrufung des Fürstentums und die Unabhängigkeit von Italien stimmten.
Seitdem wählen die Bürger von Seborga ihren „Prinzen“, der rein sym­bo­li­sche Auf­ga­ben innehat. Giorgio I. „herrschte" von 1963 bis 2009. Seit dem 25. April 2010 „herrscht" Marcello I. (Marcello Menegatto), der von ei­nem Ka­bi­nett von neun Ministern unterstützt wird. Marcello I. stammt aus einer In­du­striellenfamilie aus dem Tessin.
Seborga
Der Hauptplatz
Italien hat die Unabhängigkeitserklärung nie ernst genommen und deshalb niemals rechtliche Schritte dagegen unternommen. Die italienische Rechts­ord­nung ist de jure und de facto in der Gemeinde in vollem Umfang gültig. Bis heute hat sich der italienische Staat nie um einen eindeutigen Beweis für die Zugehörigkeit Seborgas zu seinem Staatsgebiet bemüht und es augen­zwin­kernd den Bewohnern überlassen, aus der Legende Kapital zu schlagen. Die kleine Gemeinde profitierte nämlich tou­ristisch von dem Bekanntheitsgrad, den sie durch die Medienberichte erhalten hat. Das "Antike Fürstentum Se­bor­ga" ist heute eine profitable Touristenattraktion. Sogar National Geographic war schon da. Und es wird fleißig am Mythos weitergestrickt.
Seborga
Palazzo dei Monaci (Sitz der Münzprägeanstalt)
Zwischen 1994 und 1996 wurde in Seborga eine Kopie der alten Währung aus dem XVII. Jahrhundert, des Luigino, geprägt, welcher als Ersatzwährung von Geschäften innerhalb des „Fürstentums" akzeptiert wird und inzwischen bei Münzsammlern sehr beliebt ist, jedoch kein ge­setz­li­ches Zahlungsmittel dar­stellt. Der offizielle Wechselkurs des Luigino entspricht 6 US$. Darü­ber hinaus werden weitere Souvenirartikel des Fürstentums wie nicht amtliche Brief­mar­ken, Fantasie-Ausweispapiere sowie Autokennzeichen ausgegeben. Letztere dürfen aber nur neben den offiziellen italienischen PKW-Kennzeichen an­ge­bracht werden.
Kirche von San Martino
Die bildhübsche Ehefrau des „Fürsten" Marcello I. heißt Nina und stammt aus dem Allgäu, genauer gesagt aus Kempten. Mit 14 lernte Nina Döbler Marcello in einem Internat im Schweizer Montreux kennen, sie verliebten sich und hei­rateten. Nach ihrer Hochzeit (in bayerischer Tracht) zogen sie nach Seborga, um dort einen Bauernhof zu eröffnen. Weil „Fürstin" Nina Menegatto sehr ge­bil­det ist und vier Sprachen spricht, wurde sie zur Außenministerin ernannt.
Neben Italien, Monaco, Frankreich, Luxemburg und Belgien gibt es in­zwischen auch in München ein Honorarkonsulat des „Fürstentums" []. Oder sollte man eher von „einem Tourismusverein“ sprechen? Denn die behauptete Unab­hän­gig­keit des "Principato" sei, so denken viele, nur ein Werbegag, um Touristen und Investoren anzulocken.

Man mag die 300-Einwohner-Gemeinde dieses Kuriosums wegen besuchen wollen, aber die Schönheit des malerisch auf einem Felsen gelegenen Dorfes, vor allem zur Mimosen- und Ginsterblüte, ist allemal ein Besuch wert.

FeWo-direkt
 

Buchen Sie online ein
HOTEL IN SEBORGA

FERIENHÄUSER/ -WOHNUNGEN

Italienische Riviera
Italienische Riviera
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)

Vis a Vis Reiseführer Genua & Ligurien
Vis a Vis Reiseführer
Genua & Ligurien

(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)

Ligurien: Italienische Riviera, Cinque Terre. Reisehandbuch mit vielen praktischen Tipps
Ligurien: Italienische Riviera, Cinque Terre
(Aufs Bild klicken, um
das Buch zu bestellen ...)

Ligurien
MERIAN: Ligurien
(Aufs Bild klicken, um das
Magazin zu bestellen ...)

1 : 50 000 Wanderkarte 14 San Remo, Imperia, Monte Carlo
Wanderkarte 1 : 50 000
San Remo, Imperia, Monte Carlo

(Aufs Bild klicken, um die
Wanderkarte zu bestellen ...)