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Bacci Pagano

 
Ob mir die Krimis von Bruno Morchio hauptsächlich deshalb so ge­fallen, weil sie in meiner zweiten Heimatstadt Genua spielen, ist schwer zu sagen. Zu gut kann ich Bacci Pagano, den anarchistisch angehauchten Pri­vat­detektiv, der auf einer roten Vespa durch die alte Hafenstadt fegt, auf sei­nen täg­li­chen We­gen durch das Straßenlabyrinth von Genua gedanklich be­glei­ten. Ich brauche weder einen Stadtplan noch viel Fantasie, um Pagano auf den Fersen zu blei­ben und in jeder Szene anwesend zu sein und sie mir bild­lich so gut vorstellen zu können, dass ich in Nostalgie schwelge.
Das berühmte Caffé degli Specchi, beispielsweise, in dem sich Bacci Pagano mit seinem Freund, dem Vicequestore Pertusiello, öfters trifft, existiert nicht nur, es liegt sogar nur wenige Schritte von der Gasse entfernt, wo einst mei­ne Schwester wohnte. Es ist ein wunderbarer Ort, um einen Ape­ri­tif zu trinken und das Geschehen in der Gasse zu beobachten.
Morchios eigentliches The­ma ist in einem gewissen Sinn auch Genua selbst, mit den en­gen Gassen der Alt­stadt (den "Caruggi"), Far­ben, Gerüchen, kulina­ri­schen Köstlichkeiten, Men­schen und Lebens­vor­stel­lungen, die zwar etwas ty­pisch Ita­lienisches haben und doch unverwechselbar genue­sisch sind. Morchio schildert seine Stadt alles andere als beschaulich, aber mit sehr viel Liebe. Und in diese Stadt mit seiner Eigen­wil­lig­keit und seinem politischen und gesell­schaftlichen Hintergrund setzt er seine Kri­mi­nalgeschichten.
Bereits der Vorname des Protagonisten (Bacci) ist urgenuesisch. Es ist näm­lich die Abkürzung von Baciccia, das wiederum von Giovanni Battista her­ge­leitet wird (Johann der Täufer).
Dieser Bacci Pagano, also, ist ein Privatdetektiv ohne Illu­sio­nen, aufgeklärt und iro­nisch, er liebt Mozart, die Li­teratur, guten Wein, gutes Es­sen und die Frauen. Mara, seine Freundin nennt ihn den­noch einen "Analphabeten in Gefühlsdingen". Er ist in den "Caruggi" aufgewachsen, in jenem Teil der Stadt, der frü­her (und zum Teil noch heu­te) das Armenviertel der Stadt war. Hier leben mittellose Menschen aus allen Herren Ländern, die meist in tiefer Depression und oft auch in der Kriminalität stecken. Dieses Viertel (übrigens die größte zusammenhängende Altstadt in Europa) ist immer noch ein Ort der unerfüllten Hoffnungen, ein Ort, an dem man, meist vergebens, nach einem Platz an der Sonne hungert. Dieses Mileu wurde von einem wei­te­ren Genuesen, dem "Cantautore" Fabrizio de Andrè [] in seinen Liedern mit viel Liebe und Feingefühl besungen.
Bacci Pagano stammt aus einer bescheidenen Arbei­ter­familie. In seiner Jugend war er, wie auch sein Vater, Mitglied der Kommu­nis­ti­schen Partei. Als er bei ei­ner friedlichen Demon­stra­tion versehentlich als ge­walt­tä­tiger Regimekritiker fest­ge­nommen wurde, kam er für ein paar Jahre ins Ge­fängnis. Obwohl er erfolg­reich Literaturwissenschaft studiert hatte, ging seine mögliche intellektuelle Karriere jäh zu Ende. Auch privat ging bei ihm vieles in die Brüche. Er, der einmal verheirat war, wurde von seiner Frau verlassen, und durfte deshalb sein Kind kaum sehen. Und so wurde er das Gefühl nie los, ein Verlierer zu sein mit viel Sympathie für an­dere Verlierer.


Bruno Morchio
Bruno Morchio (Aussprache Morkio), Jahrgang 1954, lebt als Autor, Psy­cho­loge und Psycho­the­rapeut in seiner Heimatstadt Genua. Seine Romane mit dem Genueser Privat­de­tektiv Bacci Pagano sind in Italien äußerst erfolgreich.

Bacci Pagano
Wölfe in Genua
von Bruno Morchio
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Kalter Wind in Genua
von Bruno Morchio
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Bacci Pagano
Der Tod verhandelt nicht
von Bruno Morchio
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Genua und Ligurien
Gebrauchsanweisung
für Genua und die
ligurische Riviera

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