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Dario Fo

Dario Fo (geb. am 24. März 1926 in Sangiano / gest. am 13. Oktober 2016 in Mailand), Sohn eines Bahnhofvorstehers, wuchs ín einer intellektuell sehr regen Familie auf. Das Geschichtenerzählen lernte er von seinem Großvater, einem Fischer und Glasbläser. Sein Vater war Ama­teur­schau­spie­ler und Sozialist. Die Familie musste häufig umziehen, weil er ver­setzt wurde.

1940 zog Dario Fo nach Mailand, um an der Kunsthochschule "Brera" zu stu­dieren. Der Zweite Weltkrieg kam dazwischen. Seine Familie war im anti­fa­schistischen Widerstand aktiv und Dario half seinem Vater, Flüchtlinge und Deserteure der Alliierten in die Schweiz zu schmuggeln. 1943 meldete er sich freiwillig als Fall­schirm­sprin­ger bei der Repubblica Sociale Italiana (auch Re­publik von Salò genannt, ein fa­schis­tischer Staat in Nord­italien unter der militärischen Protektion Deutschlands). Daraus entstand eine langjährige Polemik, die dazu führte, dass Fo eine Ta­geszeitung verklagte, die ihm seine angeblich "faschistische" Vergangenheit vorwarf. Dabei habe er sich, als 17jähriger, nur deshalb freiwillig gemeldet, um Verdacht von den anti­fa­schis­tischen Aktivitäten des Vaters abzuwenden. Schließlich gab die Zeitung nach und korrigierte ihre Aussagen.

Nach Kriegsende setzte Fo sein Studium fort. Ab 1950 begann er sich in der Bewegung der piccoli teatri (kleine Bühnen) zu engagieren und präsentierte dem Publikum improvisierte Einpersonenstücke. Gleichzeitig fing er damit an, für das Radio und das Fernsehen als Autor und Darsteller satyrischer Texte zu arbeiten. 1951 wurde ihm vom der RAI, dem öffentlich-rechtlichen Radio-Sender, angeboten, eine Sendung namens Cocorico zu moderieren. Er schuf 18 satirische Monologe, in denen er biblische Themen politisch interpretierte. Empörte Vorgesetzte setzten die Show ab. Auch sein nächstes Theaterstück war beim zahlenden Publikum ein Renner und litt dennoch Zensur und In­ter­ventionen von Seiten der Kirche und der Staatsbeamten, so dass seine Auf­tritte im Fernsehen rar wurden.

Am 24 Juni 1954 heiratete Fo die Schauspielerin und Kollegin Franca Rame.
Die beiden verdienten ihren Lebensunterhalt mit dem sehr populären Piccolo Teatro in Mailand. Im nächsten Jahr ergab sich eine Chance bei den Film­stu­dios in Rom. Fo wurde Drehbuchautor und arbeitete für zahlreiche Pro­duk­tionen.
1959 gründeten sie ihre eigenes Ensembles. Fo schrieb Stücke, schau­spie­lerte, führte Regie und entwarf Kostüme und Bühnenbilder. Rame übernahm die Kassenführung und den Papierkrieg. Die Uraufführungen fanden im Pic­co­lo Teatro statt und sie brachen dann alljährlich zu Tourneen in ganz Italien auf.
Für die beliebte Fernsehshow der RAI, Canzonissima, wurde Fo 1962 als Au­tor und Regisseur engagiert. Er bildete dort das Leben gewöhnlicher Menschen ab, was beim Publikum sehr gut ankam. Nur eine Episode, in der sich ein Bau­unternehmer weigerte, Sicherheitsmaßnahmen in seiner Firma ein­zu­füh­ren, verärgerte die Politiker. Die Satire kritisierte mit einfachen und iro­ni­schen Dialogen die Arbeitsbedingungen in den italienischen Unternehmen. Nach nur sieben Folgen der Sendung wurde Dario Fo und Franca Rame der Vertrag gekündigt. Sie erhielten Morddrohungen und mussten unter Polizei­schutz gestellt werden. Die italienische Schauspielergewerkschaft setzte aus Soli­da­ri­tät bei ihren Mitgliedern durch, dass sie nicht an ihrer Stelle als Ersatz zur Verfügung standen. Beide wurden für 15 Jahre von der RAI gesperrt.
Fo, der in der volkstümlichen "Commedia dell'Arte" verwurzelt war, wechselte auf der Bühne zwischen Wort und Pantomime, und improvisierte nicht selten. In seinen deftigen Gesellschaftssatiren scheute er sich niemals, blasierte ita­lie­nische Intellektuelle und die Mächtigen des Staates und der katholischen Kir­che an den Pranger zu stellen. Viele seiner Stücke wurden deshalb in Italien zensiert, übersetzt und im Ausland aufgeführt. Mehrmals wurde er auf offener Bühne verhaftet, sein Haus und sein Theater in Mailand mit Bomben beworfen.

1997 wurde der streitbare Satiriker, Provokateur und unerschrockener Idea­list, für viele überraschenderweise mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Sein erster Kommentar dazu war gewohnt ironisch: "Ich bin bestürzt!"

Wichtige Werke:
Er hatte zwei Pistolen und seine Augen waren schwarz und weiss, 1960
Wer einen Fuß stiehlt, hat Glück in der Liebe, 1961
Obszöne Fabeln, 1969
Zufälliger Tod eines Anarchisten, 1970
Bezahlt wird nicht! 1977
Diebe, Damen, Marionetten, 1987
Der Hohn der Angst, 1996
Lieder und Balladen, 1984
Geschichte einer Tigerin, 1978
Offene Zweierbeziehung, 1983
Der Papst und die Hexe, 1989
Elisabeth, zufällig eine Frau, 1984
Hilfe, das Volk kommt! 1998
Kleines Handbuch des Schauspielers, 1997
Nur Kinder, Küche, Kirche, 2000

Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu, 2004

 
Dario Fo
Dario Fo war ein italienischer sati­ri­scher Theaterautor, Regisseur, Büh­nenbildner, Komponist, Erzähler und Schauspieler, der 1997 mit dem No­bel­preis für Literatur ausgezeichnet wurde. Er revitalisierte Methoden der Commedia dell'Arte und arbeitete von Anfang an eng mit seiner Frau Franca Rame zusammen.

Meine ersten sieben Jahre und ein paar dazu
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Die Welt, wie ich sie sehe: Autobiografie
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Isabella, drei Karavellen
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