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Fruttero & Lucentini
Hinter den beiden Nachnamen Fruttero & Lucentini verbergen sich die beiden italienischen Schriftsteller Carlo Fruttero (1926-) und Franco Lucentini (1920– 2002). Die Karrieren der beiden waren eng verbunden. Weil sie den gleichen literarischen Geschmack hatten, gründeten sie in den 1950er Jahren „la ditta“ (die Firma) und traten fortan als sehr erfolgreiches Autorenduo auf. Sie schrie­ben schwerpunktmäßig humorvolle, ironische Kriminalromane, die aber meistens auch hintergründige Gesellschaftskritik enthielten. Von 1961-1986 leiteten sie gemeinsam das Science-Fiction-Magazin Urania, das bei Monda­dori in Mailand erscheint. Ihre Romane fanden regelmäßig ihren Platz in den Best­sellerlisten.
Der Tod von Franco Lucentini riss das bekannte italienische Krimi-Autoren­paar für immer auseinander. Franco Lucentini, der an Lungenkrebs litt, stürzte sich am 5. August 2002, im Alter von 81 Jahren in das Treppenhaus seiner Wohnung in Turin und erlitt tödliche Verletzungen.

Ihr erstes gemeinsames Werk "Die Sonntagsfrau", das 1972 erschien, ver­schaff­te dem Autorenpaar sofort großen Ruhm. Der Roman wurde 1975 sogar mit Marcello Mastroianni [] verfilmt. Es folgten zahlreiche Werke, die auch weltweite Beachtung fanden. Fruttero und Lucentini schilderten mit viel Ironie die Gesellschaft ihre italienischen Heimat. Immer wieder beschrieben die Autoren in ihren Büchern die Gesellschaft Turins. Ihre Kriminalromane sind immer durch bissige Ironie und eine intelligente Auflösung der Fälle geprägt.

Werke (eine Auswahl)
1972: La donna della domenica“ (Die Sonntagsfrau). Ein obskurer Mord­fall in der ganz besonders versnobten feinen Gesellschaft von Turin. Ein zurecht erfolgloser Architekt wird mit einer Waffe er­schlagen, die so unaussprechlich ist, dass die Polizei sogar ge­heim­hält, worum es sich handelt.
1981: A che punto è la notte“ (Wie weit ist die Nacht). Die Freitags­an­dachten des sozial engagierten Priesters Don Pezza sind beim Volk und der vornehmen Turiner Gesellschaft gleichermaßen be­liebt. Als er bei einer seiner Predigten die apokalyptische Frage stellt: "Wie weit ist die Nacht?", explodiert die Kerze in seiner Hand und tötet ihn.
1983: Il palio delle contrade morte“ (Der Palio der toten Reiter). Ein Mailänder Ehepaar erlebt in Siena, dem Schauplatz des be­rühm­ten Pferdewettrennens Palio di Siena merkwürdige Dinge. Es er­fährt von den „toten" contrade (Stadtvierteln), die ihre Pferde und Reiter auf den Platz schicken, von Korruption und Beste­chung, die ebenso wie der Zufall den Sieg entscheiden.
1986: „L'amante senza fissa dimora" (Der Liebhaber ohne festen Wohn­sitz). Eine bittersüße Liebesgeschichte zwischen dem charmanten, polyglotten Reiseleiter Mr. Silvera und der römischen Prin­cipessa, die im Auftrag eines Auktionshauses eine venezianische Gemäl­de­samm­lung begutachtet. Doch was weiß der geheimnis­volle Mann über den raffinierten Kunstschmuggel, dem die Aristokratin mit seiner Hilfe auf die Spur zu kommen versucht?
1989: „La verità sul caso D." (Die Wahrheit über den Fall D.). In diesem Roman wagten sich die beiden Autoren an ein Romanfragment von Charles Dickens.
1987: „Il colore del destino" (Die Farbe des Schicksals)
1985: „La prevalenza del cretino" (Ein Hoch auf die Dummheit). Eine witzige, kluge und stilistisch brillante Zeitgeistreise durch das heutige Italien.
1991: „Enigma in luogo di mareas" (Geheimnis der Pineta). In diesem Roman wird mit hintergründigem Humor die absurde Welt der Feriendomizile der reichen Italiener beschrieben.
1994: „Breve storia della vacanza" (Kleines Ferienbrevier)
1995:

„Il significato dell'esistenza" (Der rätselhafte Sinn des Lebens: ein philosophischer Roman). In diesem Roman begeben sich die bei­den Autoren auf eine literarische Reise. Sie besteigen den Orient­express auf der Suche nach dem „rätselhaften Sinn des Lebens". Durchführen wollen sie ihre Recherchen passenderweise an den Stätten des klassischen Griechenlands: Mykene, Athen, Delphi. Schon im Kurswagen des Orientexpresses kommt es dann zu merkwürdigen Begegnungen, die einige Fragen aufwerfen ...

2000: I Nottambuli
2002: I ferri del mestiere"
2002: „Viaggio di nozze al Louvre
2003: „Il cretino in sintesi“. Das letzte Werk des Autorenduos (leider noch nicht auf Deutsch erschienen!). Ihre Trilogie über die Dumm­heit ist der Inbegriff der italienischen humoristischen Literatur des 20. Jahrhunderts.
Die Krimis von Fruttero e Lucentini sind in meiner Auffassung auch eine wohl­tuende Alternative zu den - ach so hochgelobten - Romanen von Donna Leon, denen das „echte" Gefühl für Italien völlig fehlt.


Der Palio der toten Reiter
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Wie weit ist die Nacht
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Der Liebhaber ohne
festen Wohnsitz

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Die Wahrheit über den Fall D.
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Der rätselhafte Sinn des Lebens
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Ein Hoch auf die Dummheit
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