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Dante Alighieri
Dante Alighieri (1265-1321) überwand mit siner Göttlichen Komödie das bis dahin dominierende Latein und führte das Italienische zu einer Lite­ra­tur­spra­che. Dante ist der berühmteste Dichter des Italienischen und gilt als einer der bedeutendsten Dichter des europäischen Mittelalters.

Die Göttliche Komödie
Auf einer seiner Wanderfahrten schrieb Dante sein berühmteste Werk, das epische Gedicht „La Divina Commedia“ (Die Göttliche Komödie). Das Werk schildert die Situation der Seelen nach dem Tod. Das Werk ist aufgeteilt entsprechend den drei Reichen des Jenseits in drei Teile: Die Hölle (In­fer­no), das Fegefeuer (Pur­gatorio) und das Paradies (Paradiso). Das zwi­schen 1307 und 1327 entstandene Werk ist das erste umfangreiche, in „vol­ga­re“, also in der Volkssprache und nicht in Latein geschriebene dich­te­ri­sche Werk Italiens. Es gilt bis heute als ein Haupt­werk der italienischen Literatur und der Weltliteratur. Ursprünglich hieß es nur Commedia. Die Bezeichnung „divina“ soll von Boccaccio stammen.
In der Göttlichen Komödie schildert Dante seine eigene Wanderung durch das Jenseits. Auf der Reise trifft Dante viele Persön­lich­keiten seiner Zeit. Je nach Verhalten finden sie sich in verschiedenen Bereichen zwischen tiefster Hölle und höchstem Paradies wieder.
Da Dante sich aber auch politisch für die Partei der Ghibellinen exponiert hat­te, trifft er zeitgenössische Gegner gerne in der Hölle. Obwohl die Ko­mö­die auch ein Triumph­gesang auf die katholische Kirche ist, greift er den dama­ligen Papst und Praktiken der Kirche wie Simonie (Verkauf von kirchlichen Ämtern, Pfründen, Sakramenten, Reliquien oder Ähnlichem) an. Die Reise dient Dante der Läuterung und ist, weil Dante als Lebender in die Welt der Toten gelassen wird, eine große Gnade. Mit dem römischen Dichter Vergil als Führer durchschreitet er zunächst die Hölle (Inferno), angefangen vom Limbus, wo sich die unschuldig schuldig Gewordenen, die ungetauften Kinder sowie die antiken Dichter und Denker aufhalten, bis zur innersten Hölle, wo Lucifer die drei Erzverräter Judas, Brutus und Cassius zwischen den Zähnen zermalmt. Dann gelangen Dante und Vergil in das zweite Reich des Jenseits, auf den Läuterungsberg (Purgatorio). Hier befinden sich die Verstorbenen mit den größten Vergehen am Fuß des Berges; je höher die beiden Wanderer kommen, desto edler werden die Figuren, die sie am Wegesrand treffen. Auf dem Gipfel des Läuterungsberges, übernimmt Beatrice, eine engelsgleiche, idealisierte Frauengestalt die Führung Dantes. Mit ihr durchschwebt Dante das Paradies (Paradiso), wo er ganz zuletzt die Trinität und Gott selbst erahnen darf.

Bekanntestes Zitat: Lasciate ogni speranza, voi ch'entrate (Lasst alle Hoffnung fahren, die ihr eintretet), Inschrift auf dem Tor zur Hölle.


Hölle (1. Gesang)    

Auf halbem Weg des Menschenlebens fand
ich mich in einen finstern Wald verschlagen,
Weil ich vom rechten Weg mich abgewandt.
Wie schwer ist's 'doch, von diesem Wald zu sagen,
Wie wild, rauh, dicht er war, voll Angst und Not,
Schon der Gedank' erneuert noch mein Zagen.
Nur wenig bitterer ist selbst der Tod,
Doch um vom Heil, das ich drin fand, zu kuenden,
Sag' ich, was sonst sich dort den Blicken bot.
Nicht weiss ich, wie ich mich hineingewunden,
So ganz war ich von tiefem Schlaf berueckt,
Zur Zeit, da mir der wahre Weg verschwunden.
Doch bis zum Fuss des Huegels vorgerueckt,
Der an dem Ende lag von jenem Tale,
Das mir mit schwerer Furcht das Herz gedrueckt,
Schaut' ich empor und sah, den Ruecken male
Ihm der Planet, der uns auf jeder Bahn
Gerad zum Ziele fuehrt mit feinem Strahle.
Dante und Vergil
Da fingen Angst und Furcht zu Schwinden an,
Die mir des Herzens Blut erstarren machten,
In jener Nacht, da Grausen mich umfah'n.
Und so wie atemlos, nach Angst und Schmachten,
Schiffbruechige vom Strand, entfloh'n der Flut,
Starr rueckwaerts schauend, ihren Grimm betrachten,
So kehrt' ich, noch mit halberstorbnem Mut,
Mich jetzt zurueck, nach jenem Passe sehend,
Der jeglichem verloescht des Lebens Glut.
Und, etwas ausgerastet, weitergehend,
Waehlt' ich bergan den Weg der Wildnis mir,
Fest immer auf dem tiefern Fusse stehend.
Sieh, beim Beginn des steilen Weges schier,
Bedeckt mit buntgeflecktem Fell die Glieder,
Gewandt und sehr behend ein Panthertier.
Nicht wich's von meinem Angesichte wieder,
Und also hemmt es meinen weitern Lauf,
Dass ich mich oefters wandt' ins Tal hernieder.
Am Morgen war's, die Sonne stieg itzt auf,
Von jenen Sternen, so wie einst, umgeben,
Als Gottes Lieb' aus oedem Nichts herauf
Die schoene Welt berief zu Sein und Leben,
So ward mir Grund zu guter Hoffnung zwar
Durch jenes Tieres heitres Fell gegeben
Und durch die Fruehstund' und das junge Jahr
Doch so nicht, dass in mir nicht Furcht sich regte,
Als furchtbar mir ein Leu erschienen war.
Es schien, dass er sich gegen mich bewegte,
Mit hohem Haupt und mit des Hungers Wut,
So dass er Schrecken, schien's, der Luft erregte.
Auch eine Woelfin, welche jede Glut
Der Gier durch Magerkeit mir schien zu zeigen,
Die schon auf viele schweren Jammer lud.
Vor dieser musste so mein Mut sich neigen
Aus Furcht, die bei dem Anblick mich durchbebt,
Dass mir die Hoffnung schwand, zur Hoeh'n zu steigen.
Wie der, der eifrig zu gewinnen strebt,
Wenn zum Verlieren nun die Zeit gekommen,
In Kuemmernis und tiefem Bangen lebt,
So machte dieses Untier mich beklommen,
Von ihm gedraengt, musst' ich mich rueckwaerts zieh'n
Dorthin, wo nimmer noch der Tag entkommen.
Als ich zur Tiefe niederstuerzt' im Flieh'n,
Illustration von Gustave Doré
Da war ein Wesen dorten zu erkennen,
Das durch zu langes Schweigen heiser schien.
Ich rief, sobald ich's nur gewahren koennen
In grosser Wildnis: „O erbarme dich,
Du, seist du Schatten, seist du Mensch zu nennen."
Und jener sprach: „Nicht bin, doch Mensch war ich,
Lombarden waren die, so mich erzeugten,
Und beide priesen Mantuaner sich.
Eh', spaet, die Roemer sich dem Julius beugten,
Sah ich das Licht, sah des Augustus Thron,
Zur Zeit der Goetter, jener Trugerzeugten.
Ich war Poet und sang Anchises' Sohn,
Der Troja floh, besiegt durch Feindestuecke,
Als, einst so stolz, in Staub sank Ilion.
Und du - du kehrst zu solchem Gram zuruecke?
Was bleibt die freud'ge Hoehe nicht dein Ziel,
Die Anfang ist und Grund zum vollen Gluecke?"
„So bist du," rief ich, „bist du der Virgil,
Der Quell, dem reich der Rede Strom entflossen?"
Ich sprach's mit Scham, die meine Stirn befiel.
„O Ehr' und Licht der andern Kunstgenossen,
Mir gelt' itzt grosse Lieb' und langer Fleiss,
Die meinem Forschen dein Gedicht erschlossen.
Mein Meister, Vorbild! dir gebuehrt der Preis,
Den ich durch schoenen Stil davongetragen,
Denn dir entnahm ich, was ich kann und weiss.
Sieh dieses Tier, o sieh' mich's rueckwaerts jagen,
Beruehmter Weiser, sei vor ihm mein Hort.
Es macht mir zitternd Puls' und Adern schlagen."
"Du musst auf einem andern Wege fort,"
Sprach er zu mir, den ganz der Schmerz bezwungen,
"Willst du entfliehn aus diesem wilden Ort,
Denn dieses Tier, das dich mit Graun durchdrungen,
Laesst keinen zieh'n auf seines Weges Spur,
Hemmt jeden, bis es endlich ihn verschlungen.
Es ist von boeser, tueckischer Natur
Und nimmer fuehlt's die wilde Gier ermatten,
Ja, jeder Frass schaerft seinen Hunger nur.
Mit vielen Tieren wird sich's noch begatten,
Gemälde von William Bouguereau: Der Poltergeist Gianni Schicchi
Bis dass die edle Dogge kommt, die kuehn
Es wuergt und hinstuerzt in die ew'gen Schatten.
Nicht wird nach Land und Erz ihr Hunger glueh'n,
Doch wird sie nie an Lieb' und Weisheit darben,
Inmitten Feltr' und Feltro wird sie blueh'n,
Zu Welschlands Heil, des Ruhm und Glueck verdarben,
Obwohl vordem Camilla fuer dies Land,
Eurialus, Turnus und Nisus starben.
Nicht wird sie ruh'n, bis sie dies Tier verbannt,
Sie wird es wieder in die Hoelle senken,
Von wo's zuerst der Neid heraufgesandt.
Du folg' itzt mir zu deinem Heil - mein Denken
Und Urteil ist's - ich will dein Fuehrer sein,
Und dich durch ew'gen Ort von hinnen lenken.
Dort wirst du hoeren der Verzweiflung Schrei'n,
Wirst alte Geister schau'n, die bruenstig flehen
Um zweiten Tod in ihrer langen Pein.
Wirst jene dann im Feu'r zufrieden sehen,
Weil sie verhoffen, zu dem sel'gen Chor,
Sei's wann es immer sei, noch einzugehen.
Und willst du auch zu diesem dann empor,
Wuerd'ger als ich, wird eine Seel' erscheinen,
Die geht, schied ich, als Fuehrerin dir vor.
Denn jener, der dort oben herrscht, laesst keinen
Eingehn, von mir gefuehrt, in seine Stadt,
Weil ich mich nicht verbunden mit den Seinen.
Er herrscht im All, dort ist die Herrscherstatt,
Sein Thron und seine Burg in jener Hoehe.
Heil dem, den er erwaehlt dort oben hat"
"O Dichter," Sprach ich jetzt zu ihm, „ich flehe
Bei jenem Gotte, den du nicht erkannt,
Dass diesem Leid und schlimmerm ich entgehe,
Bring' an die Orte mich, die du genannt,

So, dass ich Petri Tor erschauen moege
Und jene, wie du sprachst, zur Qual verbannt."
Da schritt er fort, ich folgte seinem Wege.


Klassiker der Weltliteratur: Dante Alighieri - "Göttliche Komödie"
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Dantes Frühwerk „La vita nova“ (Das neue Leben) besingt die Liebe zu Beatrice, die für den Dichter zum Inbegriff des Wahren, Schönen und Gu­ten geworden war. Die Göttliche Komödie wird oft als Fortsetzung des Werks "Vita nova" gehandelt, das als Grundlage für die "Divina Commedia" gilt. Auch in der Göttlichen Komödie tritt Beatrice auf, als in den Himmel ent­rück­te Geliebte. Dante fühlt sich berufen, sie dort wiederzusehen und be­rich­tet, "wie er einst auf dem Weg durch die Hölle einem dunklen Wald von Ver­fehlungen entkam, wie er auf dem Gipfel des Fegefeuers letztlich ver­söhn­li­che Aufnahme durch Beatrice erfuhr, bevor er schließlich im Paradies Gottes an­sichtig wurde."


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