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Antonio Tabucchi

Antonio Tabucchi (1943-2012) war ein italienischer Schriftsteller, Lite­ratur­wis­sen­schaftler und Übersetzer. Er lehrte portugiesische Sprache und Literatur an der Universität Siena.
Mit Portugal verband Tabucchi eine große Liebe. Er war der größte Kenner, Kritiker und Übersetzer des portugiesischen Dichters Fernando Pessoa (1888- 1935), von dem er das Konzept der Saudade und die Eigentümlichkeit der Heteronyme [] aufnahm. Während er auf der Sorbonne in Paris Literatur­wis­sen­schaft studierte, lernte Tabucchi durch Zufall das berühmte Gedicht "Taba­ca­ria" (Tabakladen) von Fernando Pessoa kennen, in einer französischen Über­set­zung. Es war die Entdeckung dieses portugiesischen Schriftstellers, die Anto­nio Ta­bu­cchi – den eigenen Aussagen nach – erst zum Schreiben an­reg­te. Die Begeisterung für Pessoa war so groß, dass er anfing Portu­giesisch zu lernen.

Sein Studium der Literaturwissenschaft schloss er 1969 mit einer Dissertation zum Thema "Surrealismus in Portugal" ab. Zurück in Italien wurde er Pro­fes­sor für die portugiesische Sprache und Literatur, zunächst an der Univer­sität Genua, später in Siena. 1970 heiratete er die Portugiesin Maria José de Lan­castre. Mit ihr zusammen betreute er die italienischen Aus­gaben Pessoas.

Tabucchis erster Roman, "Piazza d’Italia", erschien 1975. Darin wird die Ge­schichte dreier Generationen einer Familie von Anarchisten in der Toscana beschrieben, die für die Gerechtigkeit kämpften, von den Zeiten vor der Ei­ni­gung Italiens bis in die 1950er Jahre. Aber erst Tabucchis Werk "Sostiene Pereira" (Erklärt Pereira / 1994), das während der Zeit der Salazar-Diktatur spielt, machte ihn berühmt und gilt auch heute noch als seine bedeutendste Arbeit. Es wurde 1995 von Roberto Faenza mit Marcello Mastroianni in der Hauptrolle verfilmt

Fado, der Ausdruck der "Saudade"
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Tabucchis Roman "Erklärt Pereira" spielt in Portugal im Sommer 1938, kurz nach de Macht­über­nah­me seitens António de Oliveira Salazar. Repression und Zensur sind in Lissa­bon an der Tagesordnung. Der ältere Witwer  Dr. Pereira leitet die Ein-Mann-Kulturredaktion einer katholischen Wochenzeitung, wo er Übersetzungen französischer Erzählungen und Nachrufe auf vor kurzem ver­storbene Autoren ver­öf­fent­licht. Über einen Auszug aus dessen Dissertation lernt er den jungen Phi­lo­so­phie-Absolventen Monteiro Rossi kennen, der im Wider­stand aktiv ist. Pereira entwickelt väterliche Gefühle für ihn und lässt ihn Nachrufe schreiben, die jedoch wegen ihrer politischen Stellungnahmen nicht veröffentlicht werden können.
Für die Leser, die den Ausgang lieber selber entdecken möchten, wird der folgende Text heller dargestellt (Text mit der Maus markieren, um ihn lesen zu können).
Die Geheimpolizei heftet sich auf die Fährte des Philosophen und stellt ihn in der Wohnung Pereiras. Bei einem Verhör wird Pereira selbst verspottet und geschlagen, Rossi wird im Nebenzimmer totgeschlagen. Daraufhin schreibt Pereira einen Nachruf auf Monteiro Rossi, in dem er über das Geschehene berichtet und die Mörder namentlich nennt. Um den Konsequenzen seiner Aktion zu entgehen, verlässt Pereira mit einem gefälschten Pass Portugal.
Eines seiner Bücher, Lissabonner Requiem, schrieb Tabucchi auf Por­tu­gie­sisch (ins Italienische ließ er es übersetzen, damit er selbst nicht der Versuchung erläge, den Text beim Übersetzen zu verändern).
Sein beim Feltrinelli-Verlag vor kurzem erschienene Erzählband "Il tempo in­vecchia in fretta" (Die Zeit altert schnell) war bereits zwei Wochen nach sei­nem Er­schei­nen an die Spitze der Bestsellerliste geklettert.
In seinen Erzählungen sind zahlreiche Anspielungen und Zitate zu finden, die auf berühmte literarische und philosophische Vorbilder, besonders aber auch auf Kunstwerke, hinweisen. Die Erinnerungswelt seiner Protagonisten und die exis­tenziellen Gründe, die sie zur Suche animieren, spielen eine wichtige Rol­le in Antonio Tabucchis Bü­chern, in denen nicht selten die Beziehung zwi­schen Fiktion und Realität in Frage ge­stellt wird. Antonio Tabucchi ist ein engagier­ter Schriftsteller, der sich für die Menschenrechte einsetzt und klar Stellung be­zieht. Er möchte seine Leser zum Zweifeln und zum Nachdenken bringen.

Tabucchi erhielt zahlreiche Literaturpreise, unter anderen 1994 den "Premio Campiello", 1998 den "Österreichischen Staats­preis für Europäische Literatur" und den "Hans-Erich-Nossack-Preis". Er lebte zuletzt in der Tos­kana (in Sie­na) und in Por­tugal (in Lissabon, wo seine Frau und seine zwei Kinder leben).

Italien sei ihm in den letzten Jahren mehr und mehr fremd geworden, erklärte Ta­buc­chi einmal. Er habe keine Lust mehr, "in einem Land zu leben, das Bürger­weh­ren erlaube, Einwanderung als Delikt ansehe und ihm eines Tages eine künst­liche Ernährung aufzwingen könnte".
Für diesen Text wurden Auszüge aus Wikipedia verwendet (Lizenz "Creative Commons)
 

Antonio Tabucchi

Foto von Rebeca Yanke (Lizenz)
Mein Interesse für Antonio Tabucchi ist meiner Liebe zu Indien zu ver­dan­ken, denn eines Tages entdeckte ich in einer Buchhandlung sein Buch "In­disches Nacht­stück und ein Brief­wechsel", kaufte es und wurde neu­gierig auf weitere Werke des Autors.

Antonio Tabucchi
Die Zeit altert schnell
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Antonio Tabucchi
Erklärt Pereira
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Sostiene Pereira
Sostiene Pereira []
Mit Marcello Mastroianni

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Antonio Tabucchi
Kleine Missverständnisse
ohne Bedeutung:

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Antonio Tabucchi
Lissabonner Requiem
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