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Il deserto dei Tartari (Die Tatarenwüste)
Als ich dieses Buch von Dino Buzzati vor vielen Jahren las, kamen in meinen Gedanken sofort Assoziationen zu den von Franz Kafka erschaffenen Atmos­phä­ren auf: be­drück­end, surrealistisch, Hoffnungslosigkeit suggerierend. Aber gleichzeitig war das Buch stel­len­wei­se fesselnd wie die Filme von Alfred-Hitch­cock. Die wich­tig­ste meinungsbildende Zeitung Frankreichs, Le Monde, stellte 1999 eine Liste der 100 Bücher des Jahrhunderts auf, der Bücher, nämlich, die als die hun­dert besten des zwanzigsten Jahr­hun­derts eingeschätzt wurden. Buzzatis "Tatarenwüste" wurde darin aufgenommen.
Sein Roman "Il deserto dei Tartari" (Die Tatarenwüste) erschien 1940. Er bün­delt die wichtigsten Motive von Buzzatis Werk. Der Protagonist, der junge Leutnant Giovanni Drogo, wird in eine entlegene Fes­tung abkommandiert, in das noch unerforschte Bergland an der Nordgrenze eines nicht näher be­zeich­neten Reiches. Drogo trifft als jun­ger Offizier voller Hoffnungen in der Festung ein, vorerst mit der Absicht, dort nur drei Monate Dienst zu leisten. Er sehnt sich nach Ruhm und glaubt, erst am Anfang eines unermesslich langen Le­bens zu stehen.
Eine Szene aus dem gleichnamigen Film
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Das Leben in der Festung weist bald sehr gespenstische Züge auf. Es ist ei­ner­seits sehr eintönig und andrerseits ständig von der Furcht vor einem mö­glichen Angriff der Tataren überschattet, die angeblich hinter der Wüste le­ben, obwohl sie kein einziges Mal von jemandem gesehen wurden. Ein Angriff wäre die Gelegenheit für die Soldaten der Festung, Ruhm und Ehre zu erlan­gen. Um die quä­lende Sinnlosigkeit der Lage zu ertragen, unterwerfen sich die Soldaten einem komplizierten und absurden Reglement.
Nach den drei Monaten sollte Drogo zwar die Festung verlassen, aber er hat sich in der Zwischenzeit an die Routine des Dienstes allzu sehr gewöhnt. Er glaubt inzwischen sogar an die Legende vom Angriff der Tataren. Als er sich nach Jahren des Wartens beurlauben lässt, um seine Mutter und eine junge Frau, die er liebt, zu besu­chen, findet er in der Heimat eine Welt auf, die ihm fremd geworden ist, sodass er in die Festung zurückkehrt.
Als nach vielen Jahrzehnten das Un­vor­stell­bare geschieht und die Tataren tat­sächlich angreifen, ist Drogo schon am Ende seines Lebens und wird krank aus der Festung gebracht, ohne je wirklich gelebt zu haben.
Es ist die Parabel der Vergeblichkeit des Lebens, die uns der Autor vor Augen führt: ein ewiges Warten auf ein Ereignis, das dem eigenen Leben eine her­bei­gesehnte Wendung bringen soll. Die Idee zu diesem Roman soll Buzzati während seinen langen Nachtdiensten in der Redaktion gekommen sein, als ihm die Monotonie des Lebens in der Großstadt bewusst wurde.
Dino Buzzati
Dino Buzzati (1906-1972) gehört zu den bedeutenden Repräsentanten der phantastischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Nach dem Abschluss seines Jurastudiums und dem darauf folgenden Militärdienst trat er 1928 als Mi­tar­beiter in die Redaktion der Mai­länder Tageszeitung Corriere della Sera ein, bei der er, abgesehen von einer Unterbrechung wegen des Zweiten Weltkrieges, bis zu seinem Tode blieb. 1933 veröffentlichte er mit großem Erfolg sein erstes Buch "Barnabò delle montagne" (Die Männer vom Gravetal). Während des Krieges war er als Marineoffizier und Kriegsberichterstatter in Äthiopien und auf Sizilien.
1940 wurde er durch die Veröffentlichung seines phantastischen Romans "Il de­ser­to dei Tartari" (Die Tatarenwüste) schlagartig als Schriftsteller bekannt.
Nach dem 2. Weltkrieg wurde Buzzati Chef­redakteur der berühmten Wo­chen­end­bei­la­ge des Corriere, Domenica del Corriere []. Er gehörte ebenfalls zu den Mit­be­grün­dern des Corriere Lom­bardo. Im Jahr 1951 bewies er bei einer Aus­stellung zum Thema "Mailänder Dom" auch sein Talent als Maler. 1958 hatte seine erste persönliche Ausstellung großen Erfolg. Als Zeich­ner und Texter von Comics (Poema a fumetti, Orphi und Eura) mach­te er sich in den 1960er Jahren einen Namen. Seine Gemälde, Zeichnungen und Comic-Strei­fen wurden stark von der ameri­ka­ni­schen Pop-Art beeinflusst. Gegen Ende sei­nes Lebens schrieb Buzzati Kunstkritiken für den Corriere und illustrierte eigene Bücher. Über seine Aktivität als Maler äu­ßer­te sich Buzzati folgendermaßen: "Ich bin Opfer ei­nes grausamen Missver­ständ­nisses. Ich bin ein Maler [], der eine Zeit lang hobbymäßig Schrift­stel­ler und Journalist war. Die Welt glaubt indessen, dass es der umge­kehrte Fall sei, und dass man deshalb meine Malerei nicht ernst nehmen kön­ne. Tat­säch­lich ist die Malerei mein Beruf, das Schreiben ein Hobby. Aber letztendlich sind Schreiben und Malen nur Facetten des selben Bedürfnisses, Geschichten zu erzählen".
Im Jahr 1957 wurde Buzzati mit dem Literaturpreis von Neapel, 1970 mit dem Preis des Paese Sera ausgezeichnet. Der südafrikanische Schriftsteller L J. M. Coetzee, Nobelpreisträger des Jahres 2003, ließ sich von der Handlung des "Il deserto dei Tartari" inspirieren, als er eines seiner Meisterwerke, "War­ten auf die Barbaren", schrieb (1980). Buzzati starb am 28. Januar 1972 in Mailand an Krebs.
Dino Buzzati
Dino Buzzati (1906-1972) war ein italienischer Journalist und Schrift­steller. Neben seinem schrift­stel­le­rischen Wir­ken war er auch Maler, Zeich­ner und Bühnenbildner.

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