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Ferruccio Lamborghini

Ferruccio Lamborghini (1916 - 1993) war ein italienischer Ingenieur, Unter­neh­mer, Automobil- und Hubschrauberkonstrukteur und der Gründer der welt­bekannten Sportwagenmarke. Er gilt als eine der großen italie­ni­schen Unter­nehmerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Ferruccio Lamborghini kam in Renazzo, einem kleinen Dorf in der Nähe von Bologna in einer Bauernfamilie auf die Welt. Sein Vater hätte einen Landwirt aus ihm machen wollen, aber Ferruccio zeigte bereits als Kind großes Inte­resse an der Mechanik. Später Lamborghini absolvierte ein Ingenieursstudium an der Technischen Hochschule in Bologna. 1939, beim Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, wurde er Ingenieur und leistete seinen Militärdienst bei der ita­lie­ni­schen Luftwaffe, die ihm die Reparatur von Militärfahrzeugen auf Rhodos in Griechenland übertrug. 1945 geriet er für ein Jahr in Kriegsgefangenschaft.
Nach Kriegsende und seiner Rückkehr eröffnete er eine kleine Reparatur­werk­statt für Autos. Er kaufte alte Militärfahrzeuge, die er dann mit Geschick zu dringend benötigten landwirtschaftlichen Maschinen umbaute. Die Idee dafür soll er, laut einer Legende, auf seiner Hochzeitsreise gehabt haben, die er zu diesem Zweck vorzeitig abbrach.
Aus der Reparaturwerkstatt wurde 1949 eine Firma, die Lamborghini Trattori, die selbst entwickelte Traktoren mit Zwei-, Drei- und Vierzylinder-Diesel­mo­toren produzierte. Es handelte sich um modular aufgebaute Konstruktionen mit zahlreichen austauschbaren Teilen. 1954 ergänzte ein Motor mit Direkt­ein­spritzung die Palette. In den späten 60er Jahren gehörte die Lamborghini Trattori mit einer Produktion von 400 Fahrzeugen im Monat zu den größten Landmaschinenherstellern Italiens.
Nach einem Besuch in den USA fing Lamborghini auch an, Heizungen und Kli­ma­geräte herzustellen. Dafür gründete er die Firma Lamborghini Beuciatori. Mit den Erträgen aus beiden Geschäftfeldern versuchte Lamborghini, sich ei­nen Traum zu verwirklichen, den Bau von Hubschraubern. Für dieses Pro­jekt versagte ihm aber die italienische Regierung die Genehmigung.
Darüber, wie Lamborghini Ende 1962 zum Beschluss kam, selbst Sportwagen zu bauen, ist in vielen Varianten geschrieben worden. Im Kern dürfte sie sich folgendermaßen zugetragen haben: Lamborghini besaß bereits eine Kollektion an starken Jaguar-, Mercedes-, Ferrari- und Maserati-Autos, aber keines die­ser Autos stellten ihn ganz zufrieden. Auch mit der Verarbeitung seines neuen Ferrari 250 GT wurde er nicht glücklich. Er begann mit Enzo Ferrari im nahe gelegenen Maranello eine Korrespondenz darüber, erhielt aber eine hoch­nä­si­ge, abschlägige Antwort von Ferrari in der Art, ein erfolgreicher Renn­wa­gen­bauer wie Ferrari brauche von einem Traktorenhersteller wie Lamborghini keine Vorschläge.
Dies löste bei Lamborghini den Ehrgeiz aus, Sportwagen zu bauen, die höhe­re Leistung und bessere Verarbeitung hatten, als die von Enzo Ferrari. Zu die­sem Zweck gründete er 1963 in Sant' Agata Bolognese eine Autofabrik, die „Automobili Ferruccio Lamborghini S.p.A.“. Mit der Entwicklung ei­nes kraft­vol­len Motors wurde Giotto Bizzarrini, der Entwickler des Ferrari 250 GTO, be­auf­tragt. Lamborghini stellte Bizzarrini die Bedingung, dass der Motor stärker sein sollte als jedes von Ferrari gebaute Pendant. Für die Ka­ros­serie wurde Nuccio Bertone verpflichtet, der darauf den legendären "Lam­borghini 350 GT" entwarf. Schon im nächsten Jahr wurde das Auto, das einen Zwölfzylinder Motor mit 3,5 Liter Hubraum und 400 PS hatte, mit viel Erfolg in Serie gebaut.
Damit nicht zufrieden, legte der Perfektionist Lambor­ghini noch einmal nach und präsentierte 1966 den Miura, der nach einer Kampfstierzucht benannt wurde. Dieser Wagen kratzte deutlich an der 300 km/h Marke und muss den Konkurrenten Ferrari wohl sehr geärgert haben. Der angreifende Stier auf dem Firmenwappen zierte schon den ersten Lamborghini-Sportwagen. Der im Sternzeichen des Stiers geborene Lamborghini liebte dieses Symbol, er sah darin den Ausdruck seines eigenen vor­wärts­drän­genden, starken Charakters. Auch der Miura wurde zum Verkaufserfolg und wurde bis ins Jahr 1973 hergestellt.
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1972, bedingt durch die weltweite Ölkrise, aber auch, weil sein Sohn Tonino kein Interesse an der Autoproduktion gezeigt hatte, entschloss sich Ferruccio Lamborghini, seine Unternehmen zu verkaufen. Seit 1998 ist das Werk im Besitz von AUDI.
Von nun an betrieb er in Borgo Panicale (Umbrien) Weinbau auf seinem Gut „Tenuta Patrizia Lamborghini", das er bereits in früheren Jahren aus reiner Liebhaberei erworben hatte. Dem Gut angeschlossen sind ein „Agriturismo“, Tennisplätze, ein 9-Löcher-Golf­platz und ein olympisches Schwimmbad.
Auch bei der Weinherstellung erreichte Lamborghini Spitzenleistungen. Be­rühmt wurde sein Rotwein „Colli del Trasimeno“, auch als „Sangue di Miura“ (Blut des Miura) bekannt. Seine Weine entbehren zwar als "untypisch her­ge­stellte Weine" der offiziellen Anerkennung als DOC-Weine und müssen als "einfacher Landwein" verkauft werden, wegen ihrer außergewöhnlichen Qua­lität aber sind die Lamborghini-"Landweine" im internationalen Hochpreis­seg­ment angelangt. Heute liegt die Weinproduktion in den Händen seiner Tochter Patrizia Lamborghini.
Am 20. Februar 1993 starb Ferruccio Lamborghini im Alter von 76 Jahren.
 

„Cavaliere del lavoro"

Lamborghini wurde für seine Ver­dien­ste um die Arbeitnehmerschaft zum Commendatoree geehrt und zum Cavaliere del Lavoro (Ritter der Ar­beit), welches der höchste staat­li­che Or­den Italiens ist für besondere Verdie­nste um die italienische Wirt­schaft.

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