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Die großen italienischen Passagierschiffe
Bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts wurden große Passagierschiffe über­wie­gend als Verkehrsmittel genutzt. Im Liniendienst fuhren sie im Übersee­ver­kehr, insbesondere auf der Transatlantik-Route zwischen Europa und Nord­amerika. Zur Zeit der Massenauswanderungen im 19. Jahrhundert bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts begann nahezu täglich ein Passagierschiff die Reise von Europa nach Nordamerika. Aber bereits 1958 überquerte die Hälfte der Passa­giere den Atlantik per Flugzeug.
Conte Rosso (1922 - 1941)
Beim Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde das von der italienischen Ge­sell­schaft Llyod Sabaudo den Beradmore-Werften in Schottland in Auftrag ge­ge­be­ne Schiff in das Schiff HMS Argus umgestaltet und von Großbritannien für Kriegszwecke eingesetzt.
Erst in den 1920er Jahre wurde es in das ursprünglich geplante Passa­gier­schiff verwandelt, das als Conte Rosso (der rote Baron) am 10. Februar 1921 vom Stapel lief. Das mit jedem Komfort ausgestattete Schiff war haupt­säch­lich für ein Luxus­pu­bli­kum bestimmt, hatte aber auch eine Klasse für die Auswan­de­rer. Am 29. März 1922 unternahm es seine Jungfernfahrt auf der Route Ge­nua-Neapel-Buenos Aires. Später fuhr das Schiff für die Italia Navigazione, die den Lloyd und an­dere Reedereien übernommen hatte. Zuletzt wurde der Con­te Rosso vom Lloyd Triestino übernommen.
Während des Zweiten Weltkriegs, am 24. Mai 1941, wurde das von Torpe­do­booten, Zerstörern und Schlachtkreuzern eskortierte Passagierschiff Conte Rosso in der Nähe der sizilianischen Küste von zwei Torpe­dos des britischen U-Boots HMS Upholder getroffen.
Das Schiff, das 2729 Menschen an Bord hatte (davon 2449 Passagiere) sank innerhalb von zehn Minuten. 1297 Menschen starben, wovon nur 239 Leichen aufgefunden wurden. Am 14. April 1942 versenkte das italienische Torpe­do­boot Pegaso eben dieses U-Boot, das Aushängeschild der britischen Flotte.
Conte Biancamano (1925 - 1960)
Der Conte Biancamano wurde am 23. April 1925 vom Stapel gelassen und unter­nahm seine Jungfernfahrt am 20. November 1925 auf der Route Genua - New York. Das prunkvoll und mit jedem Komfort ausgestattete Schiff war haupt­säch­lich für ein Luxuspublikum bestimmt. Es wurde nach Umberto I. Biancamano, Stammvater des Haus Savoyen, genannt.
Das Schiff fuhr zunächst auf der Route Genua-New York für die Gesellschaft Lloyd Sabaudo, später für die Italia Navigazione, die den Lloyd und andere Reedereien übernommen hatte.
1934 wurde das Schiff für Kriegszwecke eingesetzt, zum Transport für Kriegs­material nach Äthiopien. 1936 wurde es vom Lloyd Triestino gechartert, der es für Routen in den Mittleren Osten einsetzte. 1940 kam es zurück zur "Italia Navigazione" und wurde auf der Route Genua - Neapel- Panama - Val­pa­raiso eingesetzt.
Nach dem Kriegseintritt Italiens wurde das Schiff im panamensischen Hafen von Cristobal festgehalten und 1941, als die USA in den Krieg eintraten, kon­fisziert und als USS Hermitage von der US-Marine in ein Truppen­trans­port­schiff verwandelt, dass bei der Landung in Nordafrika und in der Normandie zum Einsatz kam. Nach 1943 wurde es im Pazifik eingesetzt und später für den Rücktransport von Kriegsverletzten in Europa. Am Tag der deutschen Kapitulation, am 8. Mai 1945, befand sich das Schiff in Le Havre.
1947 wurde das Schiff an Italien zurückgegeben, dort umgebaut und komplett renoviert in den Monfalcone-Werften. Am 14. Juli 1949 nahm es die Fahrt auf der Route Genua - Buenos Aires auf. Ab dem 21. März 1950 fuhr der Conte Biancamano auf der Route Genua - Neapel - Cannes - New York.
Am 26. März 1960 begann das Schiff seine letzte Fahrt, auf der Route Genua - Neapel - Barcelona - Lissabon - Halifax - New York und zurück, nach ins­ge­samt 364 Linienfahrten, während derer 353.836 Passagiere trans­por­tiert wurden.
Die Kommandobrücke, der Festsaal und einige Kabinen der Ersten Klasse wurden erhalten und sind seitdem im Museo nazionale della scienza e della tecnologia Leonardo da Vinci in Mailand ausgestellt [].
Rex (1932 - 1944)
Die Rex war das größte jemals in Italien gebaute Passagierschiff. Sie diente als politisches Vorzeigeobjekt des italienischen Faschismus und unterstrich den Anspruch des aufstrebenden Italien, sowohl im zivilen als auch im mili­tärischen Wettbewerb auf den Weltmeeren zu bestehen.
Am 22. September 1932 wurde die REX der Vereinigten Italienischen Flotte (Italia Flotte Riunite) zugewiesen, die aus dem Zusammenschluss der Ge­sell­schaft Navigazione Generale Italiana, des Lloyd Sabaudo und Cosulich her­vor­gegangen war.
Die Jungfernfahrt erfolgte von Genua aus am 27. September 1932 mit 1872 Passagieren an Bord. Als auf dem Weg nach Gibraltar Probleme im Ma­schi­nen­raum auftraten, musste sich das Schiff wegen Reparaturen im Hafen der britischen Kronkolonie aufhalten. Dabei verließen einige Passagiere das Schiff und verweigerten die Weiterreise, die sie dann per Zug nach Deutschland fortsetzten. Von dort nahmen sie das Schiff Europa über den Atlantik. Jedoch wartete sie bei ihrer Ankunft in New York die REX bereits im Hafen aus sie.
Im August 1933 eroberte die REX unter dem Kommando des Kapitäns Fran­cesco Tarabotto das Blaue Band. Sie erreichte eine Durchschnittsge­schwin­dig­keit von 28,92 Knoten, womit sie die deutsche Bremen, den vormaligen Re­kord­halter, übertraf. Die REX behielt das Blaue Band bis zum 3. Juni 1935, als die französische Normandie, ein Schiff mit 80.000 Bruttoregistertonnen, es übernahm. 1937 wurde die Italia Flotte Riunite aufgelöst und der Italia Società di Navigazione einverleibt. 1940 stellte man den Liniendienst der Rex ein. Das Schiff kehrte im Frühjahr 1940 von ihrer letzten zivilen Fahrt über den Atlantik zurück und blieb dann gut getarnt und außer Dienst im Hafen von Triest. Am 8.September 1943 wurde das Schiff von der Kriegsmarine requiriert und im März 1944 formell der Mittelmeer Reederei GmbH mit Sitz in Hamburg über­geben und später als Lazarettschiff verwendet.
Am 8. September 1944 ankerte die Rex in der Nähe von Triest, als sie von Aufklärern der Royal Air Force entdeckt und in 123 Angriffswellen aus der Luft in Brand geschossen wurde. Das Schiff brannte vier Tage, bis es sank.
Conte di Savoia (1932 - 1950)
Das Passagierschiff Conte di Savoia [] wurde 1932 in der Werft Cantieri Riuniti dell'Adriatico in Triest vom Stapel ge­lassen und unter­nahm seine Jung­fern­fahrt am 30. November 1932 auf der Route Genua - New York.
Die Überfahrt wurde fast zur Katastrophe, als ein Sicherheitsventil im Ma­schi­nenraum ex­plo­dierte und ein großes Loch im Schiffrumpf riss. Um den Un­ter­gang des Schiffes zu vermeiden, ließ sich das mutige Crew-Mit­glied Gen­na­ro Amatruda an der Bordwand abseilen, um das Leck behelfs­mä­ßig mit Holz­bal­ken und schnell bindendem Zement zu stopfen.
Der Conte di Savoia war das erste Schiff, das mit einem riesigen Gyro­skop­system zum Verringern des Rollen und Schaukeln bei hohem Seegang aus­gestattet war. Er war auch das luxuriöseste Schiff seiner Zeit mit einer unglaublich prunkvollen Innenausstattung.
Am 11. September 1943, als das Schiff in der Lagune von Venedig vor Anker lag, wurde es von der RAF bombardiert und halb versenkt. Weil aber die Wie­der­instandsetzungskosten zu hoch sein würden, wurde der Conte di Savoia 1950 in der Monfalcone-Werft schließlich abgewrackt.
Die sinkende Andrea Doria (1951 - 1956)
Die SS Andrea Doria war ein italienisches Passagierschiff der Linie Italia - Società di Navigazione mit Heimathafen in Genua. Berühmt wurde das Schiff dadurch, dass es das letzte der großen Luxuslinern war, das nach einem spektakulären Zusammenstoß mit einem schwedischen Schiff, unterging. Siehe auch [].
Michelangelo (1962 - 1991)
Das Passagierschiff Michelangelo war, zusammen mit seinem Zwillingsschiff Raffaello, der letzte "transatlantico" der Italia Navigazione. Es wurde in den Ansaldo-Werften in Sestri Ponente am 16. September 1962 vom Stapel ge­lassen und unter­nahm seine Jungfernfahrt am 12. Mai 1965 auf der Route Genua - New York. Das Leben des Schiffes währte nicht lange, denn bereits am Ende der 1960er Jahr war die Äre der großen Passagierschiffe zu Ende.
Am 12. April 1966, mitten im Atlantischen Ozean, geriet die Michelangelo in einen außergewöhnlich starken Sturm und wurde von einer Monsterwelle er­fasst, die erhebliche Schaden und den Tod von zwei Passagieren und einem Crew-Mit­glied verursachte. Bei dem Vorfall wurden mehr als 50 Passagiere verletzte, da­von 10 schwer. Ein Fotograf konnte vom Steuerhaus aus ein be­ein­drucken­des Foto schießen.
Monsterwelle am 12. April 1966
Das Schiff konnte nur mithilfe von Staatssubventionen noch einige Jahre auf den Meeren fahren. Sie wurde eine Zeit lang als Kreuzfahrtschiff verwendet, wofür es aber nicht konzipiert war. 1975 konnte der Staat keine Subventionen zahlen, weshalb die Società Italia gezwungen wurde, den Dienst einzustellen.
Nach vielen unergiebigen Verhandlungen wurde das Schiff 1976 vom Schah von Persien gekauft, der es als schwimmende Kaserne im Hafen von Bandar Abbas einsetzte. 1991 wurde das Schiff an ein pakistanisches Abwrack-Unter­nehmen verkauft.
Raffaello (1962 - 1991)
Der Luxusliner Raffaello war, zusammen mit dem Schwesterschiff Miche­langelo, das letzte Passagierschiff der Italia Navigazione. Es wurde in den Cantieri Riuniti dell'Adriatico in Triest am 23. März 1963 vom Stapel ge­lassen und es unter­nahm seine Jungfernfahrt am 25. Juli 1965 auf der Route Genua - New York.
Am 19. Mai 1970 kollidierte das Schiff in der Bucht von Algeciras mit dem nor­wegischen Tankschiff Cuyahoga. Glücklicherweise gab es aber keine Opfer.
Auch der Luxusliner Raffaello bekam die Marktkrise des Linienverkehrs hart zu spüren. Nicht nur auf der Transatlantik-Route zwischen Europa und Nord­ame­rika hatten längst Flugzeuge die Passagiertransport-Aufgabe übernom­men. Das führte dazu, dass das Schiff bald nur noch für Vergnügungs­rei­sen genutzt wur­de. So unternahm es Kreuzfahrten im Mittelmeer, im Schwarzen Meer, in Süd­amerika bis nach Rio de Janeiro und in Europa bis zum Nordkap. 1969 erlang­te es kurzzeitig Berühmtheit, als an Bord des Schiffes der Film "Amore mio Aiutami" mit Alberto Sordi und Monica Vitti [] gedreht wurde.
Auch die Raffaello wurde 1976 vom Schah von Persien gekauft, und wurde wie die Michelangelo als schwimmende Kaserne eingesetzt. Am 17 November 1983 wurde das Schiff, das in der Bucht von Buschehr vor Anker lag, von der ira­kischen Luftwaffe bombardiert und in Brand gesteckt. Dort liegt das Schiff, halbversunken, heute immer noch.
Mit Auszügen aus Wikipedia (Lizenz)
 
I grandi transatlantici
Ich war ein Kind, als die Zeit der gro­ßen "Dampfschiffe", der Passa­gier­schif­fe, der Ozeanriesen, die einst Millionen Menschen über die Ozeane beförderten, zu Ende ging. Die Flug­zeu­ge waren dabei, die­se Aufgabe zu übernehmen.
Ich, aber, ich konnte noch träumen: Im Hafen von Genua vermittelten mir die "transatlantici" (so nennt man in Ita­lien die Passagierschiffe, weil sie doch hauptsächlich über den Atlantik fuhren) noch einen Hauch von Aben­teuer. Sie erinnerten an die Zeit, als Reisen kein Urlaubsvergnügen war, sondern Luxus für Wenige und Über­lebensfrage für Millionen von Aus­wanderern.

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