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Fragolino

Er ist der neue Trendwein in Italien: der Fragolino (wörtlich: kleine Erd­bee­re), ein köstlicher, lieblicher Perlwein mit fruchtigem Erdbeeraroma.
Der Fragolino ist ein ganz besonderer Wein: rot, leicht prickelnd, dezent süß und mit mäßig-frischer Säure. Dieser typische, aus dem Nordosten Italiens stam­mende Wein wird aus der Rebensorte „Vitis La­brus­ca“ gekeltert, die auch als uva fragola (Erd­beer-Re­be), bzw. uva americana (ame­ri­kanische Rebe) bekannt ist. Der Fragolino leuchtet rubinrot im Weinglas und sein in­ten­sives Bouquet lässt an Erdbeeren den­ken. Er ist ein idealer, leichter Sommerwein, dessen Ge­schmack keinesfalls durch den Zusatz von Erdbeeren erzeugt wird.

Die Fragola-Traube (im deutschsprachigen Raum auch als Isabella bekannt) wurde im 19. Jahrhundert südlich der Alpen eingeführt, weil eine Reb­laus­epidemie die heimischen im europäischen Weinbau zu dramatischen Ver­wüs­tun­gen geführt hatte. Sie ist vermutlich eine ameri­ka­ni­sche Hybride aus Vitis labrusca und Vitis vinifera oder eine Selektion von Vitis labrusca. Sie bildet sehr früh kleine, dunkle Beeren, ist stark­wüchsig, kälteunempfindlich und hat eine gewisse Reblaus-Resistenz.

Und nun der Hammer! Nach EU-Recht können Weine, die aus dieser Traube hergestellt wurden, nicht als Qualitätsweine bezeichnet werden und dürfen ausschließlich für den Eigenverbrauch produziert werden. Es ist also nicht verboten, den Wein zu produzieren, wohl aber, ihn in der Europäischen Union auf den Markt zu bringen!
Richtigen Fragolino kann man deshalb nur außerhalb der EU kaufen (ins­be­son­dere in den USA, in der Schweiz (Tessin: vino d'uva americana), in Kroa­tien und in Ungarn, wo die uva fra­gola als Seksarda oder Pierce bekannt ist. Die einzige Region der EU, in der die Herstellung und der Verkauf dieses Weines erlaubt sind, ist das Burgenland in Österreich, wo der Versuch, den Uhudler genannten Wein zu verbie­ten, große Proteste von Herstellern und Kunden verursacht hat.

  Der Uhudler ist ein Wein aus Österreich, der aus dem Südburgenland stammt. Im Aussehen ähnelt er dem roséfarbenen Schilcher. Er wird aus besonderen Trauben hergestellt, die von Amerikanerreben ab­stam­men. Geschmacklich erinnert er intensiv an Erdbeeren oder schwarze Ribiseln (Johannisbeeren).

Der vorgeschobene Grund, weshalb die Amerikanerrebe von der EU verboten wurde, war, dass der Wein von derartigen Reben erhöhten Methanol-Ge­halt haben kann. Vergleiche zwischen Weinen, die aus Vitis vinifera und solchen, die aus Vitis labrusca erstellt wurden, haben diese Gefahr nicht be­stä­tigt. Der tatsächliche Grund ist, dass die EU schon viel zu viel Wein produziert und kälteunempfindliche Reben wie die Labrusca den Wein­an­bau bis in nor­di­sche Regionen möglich machen würden, zumindest theore­tisch. Um dieser Gefahr zuvorzukommen, haben sich die Agrarminister der Überschuss pro­du­zie­ren­den Mittelmeerländer auf diesen Wein eingeschossen. Es waren also rein protektionistische Gründe im Spiel.

Der in der Europäischen Union im Handel befindlicher „Fragolino“ ist dem ent­sprechend kein Wein, der aus der uva fragola erstellt wird, sondern ein mit künst­li­chen Aromen aro­ma­ti­sierter Wein, der aus sehr reifen roten Wein­trau­ben gekeltert wird.
Dass der gegorene Traubenmost des (echten) Fragolino einen höheren Gehalt an toxischem Methanol hat als die europäischen Reben, trifft zwar zu, aber die Unterschiede sind nur marginal und sie verschwinden oder werden stark reduziert, wenn bei der Weinherstellung darauf geachtet wird, dass beim Gär­prozess die Schalen, die Kerne und die Traubenkämme nicht ein­be­zo­gen wer­den. Vergleichsmessungen zwischen Weinen aus Vitis vinifera und Vitis la­brus­ca haben noch nie einen Methanol-Anteil ergeben, der Verbote recht­fer­tigen würde.

Seit einigen Jahren wird es aber ausgesuchten Win­zern in Italien wieder er­laubt, diese Sorte anzubauen und zu verarbeiten – aller­dings nicht pur. Wurde der Fragolino früher zu 100% aus der Fragola-Rebe her­ge­stellt, so wird er jetzt verschnitten mit anderen heimischen Reb­sor­ten.
So ist der begehrte Fragolino nun zwar nicht pur, aber in Kombination mit an­deren Rebsorten wieder erhältlich.
 

Moden

Es musste mir auffallen! Bei meinem letzten Besuch in Italien wurde mir von verschiedenen Freunden nach dem Essen ein mir bis dato unbe­kann­ter Wein aufgetischt: der Frago­lino. Mit der Geschwindigkeit, mit der es in deutschen Ländern der Aceto Balsamico [] und der Prosecco [] geschafft haben, zu Modesalatwürze, bzw. Mo­de­ge­tränk zu werden, so hat es der Fragolino in Ita­lien geschafft. Ob ihm der Sprung nach Deutschland demnächst gelingt?

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Contri Fragolino Rosato
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