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Il giallo (Der Krimi)
Zum Kriminalroman könnte man zwar - sprachlich völ­lig korrekt - "romanzo poliziesco" sagen, aber kein Italiener würde jemals diesen Begriff ver­wen­den. Zum Krimi sagt man in Italien ein­fach "il giallo", der "Gelbe". Das kommt daher, dass der Verlag Monda­do­ri seit 1929 die erfolgreichste Kri­minal­romanreihe Italiens herausgibt. Die Reihe heißt - nach der Farbe der Deckblätter - "I gialli Mondadori" (die Gelben von Mondadori). Das ver­half der gan­zen Gattung zu ihrem Namen. Von da an nennte man also den Detektivroman "il (libro) giallo". In der Mehrzahl heißt es "i (libri) gialli". Bemerkung: Die Aussprache von "gi" ent­spricht der des englischen "j" bei "Jim". In letzter Zeit verwendet man in Italien für manche Krimis auch den französischen Begriff "noir". Dieser gilt allerdings nur als eine Unter­ka­te­gorie des "giallo". Ein "noir" hat nicht den Zweck, das Rätsel eines Mordes aufzuklären, er ist vielmehr ein Krimi­nal­ro­man, in dem negative gesell­schaft­liche Situationen (wie Dro­gen­han­del, po­li­tisch bedingte Gewalt, etc.) die The­men sind. Nicht zwangsläufig gibt es eine Aufklärung oder ein positives Finale.

Es soll hier nicht die Rede sein von Krimis, deren Handlung zwar in Italien an­gesiedelt ist, aber deren Autoren keine Italiener sind. Es ist ist schon fast gro­tesk, dass unter den in Deutschland erfolgreichsten in Italien spielenden Kri­mis sich jene der Amerikanerin Donna Leon befinden, mit ihrem Commissario Brunetti. Nicht ohne Grund sind diese in Venedig spielende Krimis auf Donna Leons eigenen Wunsch nie auf Italienisch erschienen. Die Autorin kann noch so lange in Venedig wohnen, sie bleibt trotzdem Amerikanerin und das merkt man ihren Büchern auch an, die in vielen Details völlig unitaliensich wirken.

Italienische Krimi-Autoren
Der 1925 geborene Andrea Camilleri [] ist wohl der in Deutschland be­kann­teste italienische Krimiautor. Mit den Fällen seines eigenwilligen Com­missario Montalbano hat er die Bestseller-Listen im Sturm erobert.
Carlo Fruttero und Franco Lucentini [] haben mit Witz und pro­funden Kenntnissen der italienischen Gesellschaft viele sehr erfolgreiche Kri­mi­nal- und Gesellschaftsromane geschrieben, darunter "Die Sonntagsfrau", "Wie weit ist die Nacht", "Der Palio der toten Reiter" und andere.
Die bekanntesten Krimis von Loriano Macchiavelli [] erzählen von den Fällen des Detektivenpaars Anto­nio Sarti und Rosas. Ein glaubhafter Po­li­zist der Eine, ehrlich und ausdauernd aber nicht besonders begabt in der Kunst des Ermitteln, ewiger Student und analytisches Gehirn der Andere.
Bruno Morchio (Aussprache Morkio []), Jahrgang 1954, ist Autor, Psy­cho­loge und Psycho­the­rapeut. Seine in seiner Heimatstadt Genua ange­sie­del­te Romane mit dem Privat­de­tektiv Bacci Pagano sind in Italien äußerst erfolgreich.
Der in Deutschland bekannteste Kriminalroman von Leonardo Sciascia (1921-1989) [] ist wohl "Der Tag der Eule", weil er verfilmt wurde (mit Fran­co Nero und Claudia Cardinale []). Sciascias umfangreiches Werk voller Kri­mi­nalgeschichten hat einen völlig eigenen Stil und wenig gemeinsam mit den üblichen Krimis.

Massimo Carlotto (1956) ist ein italienischer Kriminalromane-Autor, der vor seiner Karriere als Schriftsteller im Zentrum einer der kontroversesten Ge­richts­fälle der italienischen Geschichte stand. 1976 fand Carlotto eine mit 59 Messerstichen getötete Stu­dentin in ihrer Wohnung und wurde als deren mut­maßlicher Mörder pro­zes­siert. Zwar wurde er zunächst wegen der Be­weis­lage für unschuldig er­klärt, dann aber vom Gericht zu 18 Jahren Haft ver­ur­teilt. Carlotto floh, erst nach Paris, dann nach Mexiko, wurde aber drei Jahre spä­ter an Italien aus­ge­liefert. 1989 ordnete das Kassationsgericht eine Wie­der­auf­nah­me des Falles an. Er wurde wieder zunächst freigesprochen, in der Revision aber wieder zu 18 Jahren Haft verurteilt. Der Druck der Öffent­lich­keit war so stark, dass die­ses Urteil 1993 aufgehoben wurde und Carlotto vom Präsident der Republik begnadigt wurde.
Nach seiner Freilassung begann sein "zweites Leben" als Schriftsteller. Sein erster Roman, Il fuggiasco ("Der Flüchtling"), handelt von seiner eigenen Geschichte. Danach begann er die Krimiserie um den Detektiv ohne Lizenz Marco Burrati. 2002 erhielt er für den Roman Il maestro di nodi den Premio Giorgio Scerbanenco für den besten italienischen Kriminalroman des Jahres. Carlotto lebt und arbeitet in Cagliari (Sardinien).
Gianrico Carofiglio (1961) arbeitete in seiner Heimatstadt Bari (Apulien) jahrelang als Richter und Antimafia-Staatsanwalt, bevor er zum Autor wurde. Bei vielen seiner Romane handelt es sich um Kriminalromane um den Pro­ta­gonisten Guido Guerrieri, einem als Strafverteidiger tätigen Rechts­an­walt. Die Romane zeichnen sich vor allem durch die lebhafte Schilderung span­nungs­vol­ler Gerichtsszenen aus. Seine Bücher wurden in Italien u.a. mit dem re­nom­mierten Premio Bancarella geehrt, in Deutschland 2008 mit dem Radio-Bremen-Krimipreis.
Giorgio Faletti (1950) ist ein italienischer Schrift­steller, Moderator und Komponist. Der promovierte Jurist wollte aber nicht in einem Anwaltsbüro versauern. Er wurde zunächst Moderator und Komiker in diversen italie­ni­schen Fernsehshows tätig. Später widmete er sich dem Kom­ponieren. Beim berühmten Festival von San Remo [] belegte er 1994 mit dem selbst kom­po­nierten Lied "Signor Tenente" den zweiten Platz. 2002 ver­öffentlichte er seinen ersten Roman "Io uccido" ("Ich töte"), der zu einem internationaler Erfolg wurde, der monatelang auf den italienischen Best­seller­listen stand. Zwei Jahre später, 2004, folgte sein zweites Buch "Niente di vero tranne gli occhi" (deutscher Titel: "Im Augenblick des Todes"), das ähnlich erfolgreich war. Beide Bücher verkauften sich allein in Italien ca. 2,3 Millionen Mal.
Der Schriftsteller und Drehbuchautor Marcello Fois (geb. 1960 in Sar­di­nien) lebt heute in Bologna. Fois veröffentlichte acht Romane, bevor ihn die ita­lie­nische Presse für "Sempre caro" (deutscher Titel "Tausend Schritte"), den ersten Roman mit dem Rechtsanwalt Bustianu, Strafverteidiger auf Sar­di­nien Anfang des 20. Jahrhunderts, als den neuen Star des Kriminalromans feierte. Der Roman wurde mit dem italienisch-amerikanischen Literaturpreis "Premio Zerilli Marimò" ausgezeichnet.
Carlo Lucarelli zählt zu den schillerndsten und wandlungsfähigsten ita­lie­ni­schen Krimiautoren der jüngsten Zeit. Er ist nicht nur Schriftsteller, sondern gleichzeitig Moderator einer erfolgreichen Fernsehsendung über ungelöste Kriminalfälle, Journalist, Dozent für kreatives Schreiben und Verfasser von Drehbüchern.
Margherita Oggero ist eine pensionierte Lehrerin und überaus erfolg­rei­che Romanautorin. Ihr "Espresso mit Todesfolge", ein Krimi um die außer­ge­wöhn­liche Zufallsdetektivin Camilla Baudino, schaffte es bis an die Spitze der ita­lie­nischen Bestsellerliste. Der Krimi wurde sogar für das Fernsehen ver­filmt. Margherita Oggeros Romane begeistern in Italien eine immer größere Fangemeinde.
Der Genueser Claudio Paglieri (1965) arbeitet bei der genueser Tages­zei­tung "Il secolo XIX". Seine Bekanntheit erreichte er durch seine humor­vollen Biographien der italienischen Comic-Helden Tex und Dylan Dog. Außerdem verfaßte er einen Xenophoben-Führer über Ligurien und betreut die Reihe "Lavori socialmente inutili" (sozial nutzlose Arbeiten). 2001 erschien sein Roman "L'estate sta finendo" (deutscher Titel: "Sommer Ende Zwanzig"), 2007 mit "Domenica nera" (deutscher Titel "Kein Espresso für Commissario Luciani") sein erster Krimi.
Paglieri wurde ausgezeichnet mit dem Publikumspreis Bancarella Sport, dem Premio Regionale Ligure und der goldenen Palme des Salone dell'umorismo di Bordighera.
Mario Soldati (1906-1999) war ein sehr bekannter italienischer Schrift­stel­ler, Drehbuchautor und Regisseur. E verfasste vor allem Drehbücher für Kinofilme, häufig nach literarischen Vorlagen. In der Nachkriegszeit war er Mitarbeiter einiger einflussreicher Zeitungen und daneben Autor von Kri­mi­nalromanen.
Valerio Varesi (1959) stammt aus Turin und lebt heute in Par­ma. Er stu­dier­te Philosophie und promovierte mit einer Thesis über Søren Kier­ke­gaard. Von Beruf ist er Redakteur bei La Repubblica. 1998 veröf­fent­lich­te er seinen ersten Roman, dem weitere Kriminalromane um den Com­mis­sario Soneri folgten. Il fiume delle nebbie (Der Nebelfluss) war in Italien sehr erfolgreich und für den Premio Strega [] nominiert.

 
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